Auf Rentierpfaden durch den Sarek ins Padjelanta
Trekkingtour von Suorva über Stáloluokta und Pieskehaure nach Kvikkjokk

9. Tag: Alep Násasjågåsj · Lánjekbuollda · Brücke Miellädno · Dáktejávrás · Álájávrre

Über den Miellädno ins Padjelanta

Für heute steht die Querung des Miellädno an und damit verlasse ich den Sarek und erreiche den Padjelanta Nationalpark. Zu meiner Freude scheint morgens die Sonne ins Zelt und mich erwartet beim Blick nach draußen ein fast wolkenfreier Himmel. Ab morgen ist Regen angesagt und so hoffe ich heute bis zum Álájávrre zu kommen. Als Erstes stelle ich aber das Solarpanel in die Sonne, um die Powerbank fürs GPS aufzuladen.

Als ich kurz vor 9 Uhr los wandere, zieht bereits ein leichter Wolkenschleier von Osten auf. Als Erstes muss ich den Alep Násasjågåsj queren. Das gelingt mir auf meiner Höhe unterhalb einer kleinen Stufe trockenen Fußes. Ich betrachte noch die interessanten, flachen Felsen, über die der Fluss strömt. Beim Blick zurück kann ich noch einmal den Gipfel des Guohper sehen. Weiter unten kommen meine Nachbarn aus dem Zelt.

Am Berghang Lánjekbuollda

Für mich geht es nun ins Tal des zum ca. 240 Höhenmeter tiefer fließenden Miellädno. Um diesen zu Queren, will ich diesmal die Hängebrücke der Jåkhågasska Sameby benutzen, statt wie 2019 über den Álggajávrre zu rudern. Von der Brücke will ich dann zwischen Álátjåhkkå und Nuortap Rissávárre zum See Álájávrre aufsteigen. Auf einen Besuch der Alkavare Kapelle verzichte ich mit dieser Route und spare einige Kilometer. Der Zustand der privaten Brücke ist jedoch ungewiss und mehrere Personen haben die Information sie sei zerstört. Auf den Satellitenfotos hatte ich gesehen, das zwischen Ufer des Miellädno und im Hang bis ca. 850 Meter Höhe sehr viel Weidengestrüpp wächst. Ich will deshalb oberhalb des Berghangs Lánjekbuollda auf ca. 900 bis auf Höhe der Brücke wandern und erst spät absteigen.

Somit gilt es erst einmal nach Westen um den Bergrücken des namenlosen Gipfels des Násastjåhkkå auf meiner Höhe zu queren. Über Heideflächen lässt es sich einfach gehen. Der Álátjåhkkå auf der anderen Talseite kommt in Sicht und die Höhenlinie führt mich automatisch nach Südosten. Den Miellädno kann ich weiterhin nur flussabwärts sehen. Dort gibt es jedoch Steilufer, aber breite Kiesbänke. Das Gelände ist nun mit kleinen Hügeln durchzogen. Dazwischen gibt es Feuchtwiesen. Von hinten nähern sich meine beiden Nachbarn. Die beiden Schweden wollten ursprünglich eine Woche früher in den Sarek, da aber die Vorwoche so schlechtes Wetter angesagt war, sind sie eine Woche später in den Norden gefahren. Sie wollen nach Alkavare und wandern zielstrebig auf die Kapelle zu.

Brücke über den Miellädno ins Padjelanta

Gegen 11 Uhr kann ich endlich den Miellädno im Bereich der Brücke sehen. Sie ist etwas versteckt hinter einem Hügel, aber durch meinen Kamerazoom sehe ich sie deutlich. Es sind noch ca. 2 Kilometer Luftlinie. Ich wandere noch etwa einen Kilometer weiter auf meiner Höhe entlang und als ich im Hang wenige Weiden sehe, beginne ich den Abstieg. Das ist früher als geplant, aber ich sehe einige menschliche Spuren im Gras. Nach einer Weidengestrüpp-Passage im Steilhang liegt noch eine Feuchtwiese vor mir und dann stehe ich auf einem Heidekrauthügel am Ufer und sehe von der Brücke nichts. Sie versteckt sich ziemlich hartnäckig.

Erst als ich auf dem letzten Hügel stehe, kann ich die Brücke wieder sehen. Reichlich mitgenommen sieht sie aus. Das Metallgeländer baumelt auf meiner Seite frei in der Luft herum und eine Fußplatte hängt durch. Auf der Padjelanta-Seite hängen Drahtseile ins Wasser, die auf der rechten Seite, das Geländer mal ersetzt haben. Uff. Hängebrücken sind nun wirklich mein Ding, aber je länger ich sie betrachte, je mehr freunden wir uns an. Zum Glück sieht sie auf der anderen Seite, wo das Wasser unter durch rauscht, deutlich besser aus. Das Fußelement ist deutlich verbogen und jemand hat ein Winkelblech drauf gelegt. Anscheinend wurde sie im Winter auf der Sarekseite so beschädigt, dass das Bodenrost an der Stelle total verbogen ist und das Geländer wurde gleich mit abgeräumt.

Oder doch lieber flussabwärts schauen, ob ich an den Kiesbänken queren kann? Inzwischen habe ich mich mit der 44 Meter langen Brücke angefreundet. Am Pfosten, der einer der Pylone der Hängebrücke ist, hängt ein Schild: Denna bro tillhör en arbetsplats. Förbjudet att beträda eller vistas omkring bron. Die Brücke gehört also zum Arbeitsplatz der Jåhkågasska Sameby und man darf sie weder betreten noch sich in der Nähe aufhalten. Um das Schild lesen zu können musste ich aber schon ziemlich dicht ran gehen. Tja, Benutzung also auf eigene Gefahr. Ich befestige meine Wanderstöcke am Rucksack und beginne die Querung. Sie schwankt etwas beim ersten Schritt, aber sonst wirkt sie nicht anders als baugleiche Hängebrücken. Ich schiebe ein Geländerteil, welches im Wege hängt, zur Seite und gelang zum kaputten Bodenrost. Es ist an allen vier Ecken fest verankert, jedoch einfach total verbeult. Ein Schritt und der demolierte Teil ist passiert. In der Flussmitte habe ich die Grenze zwischen Sarek und Padjelanta überschritten und ehe ich mich versehe, bin ich im dritten Nationalpark meiner Wanderung.

Aufstieg zum Dáktejávrás und Álájávrre

Anschließend steht für mich der 180 Meter Aufstieg zum Sattel zwischen Álátjåhkkå und Nuortap Rissávárre an. Von oben fließt der Dáktejågåsj in einer Schlucht hinab und mündet in den Miellädno. Weiter nach Norden darf ich also nicht gelangen. Ich folge einem Trampelpfad und suche mir etwas Abseits einen windgeschützten Platz für die Mittagspause. Anschließend wandere ich in direkter Linie zu den kleinen Seen nördlich des Sees Dáktejávrás. Der Hang ist von Hügel und Erdwällen durchzogen. Ich überlege, ob es sich um Gletschermoränen handelt oder die kleinen Bäche diese verursacht haben. Einer dieser Erdwälle bringt mich recht weit nach oben, sodass ich nicht groß durch Weidengestrüpp wandern muss. Nach Südosten kann ich inzwischen den türkisfarbenen Álggajávrre sehen. Als er wieder aus dem Sichtfeld verschwindet, kommen langsam die Gipfel des Kierkevare (Gierggevárre) vor mir in Sicht.

Gegen halb vier erreiche ich die kleinen Seen an der Nordflanke des Nuortap Rissávárre. Ich wandere mitten durch und lande auf einer Landzunge. So einfach geht es dann auch nicht. Als wieder ein paar Meter zurück. Über einen kleinen Sattel und an großen Felsen vorbei, erreiche ich das Nordufer des Dáktejávrás. Hier gehe ich am Ostufer entlang und kann am Zufluss zwischen den beiden Seen den Wasserlauf queren. Vom Álájávrre sehe ich noch nichts. Dafür kann ich die Gipfel am westlichen Njoatsosvágge sehen. Durch felsiges Gelände quere ich ein kleines Plateau. Inzwischen scheint mir die tief stehende Sonne ins Gesicht, was bei der idealen Wegsuche irgendwie nervig ist. Kurz nach 17 Uhr kann ich den Álájávrre entlang blicken. Nahe einer Landzunge finde ich einen schönen Platz mit Aussicht auf die Sarek-Gipfel.

Nicht weit von hier liegt Richtung Südosten der schwedische Pol der Unzugänglichkeit. Kein Punkt ist weiter von einer Strasse in Schweden entfernt, als der Fleck an der Ostflanke des Oarjep Rissavárre. Die Berge des Sareks leuchten schon in der tief stehenden Abendsonne, als einige Rentiere vorbei kommen. Neugierig werde ich von einem Jungtier beäugt. Es hat auffallend weisse Beine und sieht damit so aus, als ob es lange Unterhosen anhat. So ganz geheuer bin ich ihm offensichtlich nicht. Es springt es herum während die Mutter einfach weiter in Ruhe äst. Den Álájávrre entlang nach Osten kann ich die Berge im Schwedisch-Norwegischen Grenzgebiet am Grenzstein R240A sehen. Der Schnee auf dem Gletscher-Ålmåjjiegŋa leuchtet gegen den dunkler werdenen Himmel.

Karte
Profil

Brücke über den Miellädno am Álggajávrre

Hängebrücke Miellädno am ÁlggajávrreHängebrücke Miellädno am Álggajávrre

Rund 2 Kilometer flussabwärts vom Álggajávrre gibt es eine permanente alte Brücke über den Miellädno. Sie gehört der Jåhkågasska Sameby. Die private 44 Meter lange Brücke ist intakt, aber im schlechten Zustand und die Benutzung erfolgt auf eigenes Risiko.

67°21'9" N, 17°11'15" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

05.2024

Pol der Unzugänglichkeit

Einsamer geht es nicht in Schweden als an diesem Punkt. Der Pol der Unzugänglichkeit liegt für Schweden im östlichen Padjelanta Nationalpark an der Ostflanke des Oarjep Rissavárre. Von hier sind es 46,1 Kilometer bis zu einer der drei nächstgelegenden Strassen.

67°18'15" N, 17°9'8" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

11.2023

Seite zurück
nach oben
Seite  vor