Wanderung durch den westlichen Sarek

Von Kvikkjokk zum Pårtetjåkkå Observatorium, Luohttoláhko-Ebene und Alkavare Kapelle

13. Tag: Álggajávrre · Alkavare Kapell · Gruvområde · Álggajávrre · Lulep Rissájávrre

Alkavare Kapell

Morgens ist es am Álggajávrre bewölkt. Die Sonne kommt nur langsam zum Vorschein. Mein heutiges Tageziel kann ich im Westen schon sehen. In der Senke zwischen Nuortap und Oarjep Rissávárre liegt der See Lulep Rissájávvre. An seinem Ufer soll es Zeltplätze und einen schönen Ausblick über den Álggajávrre geben. Bis dahin sind es keine 10 Kilometer, aber ich will mir in Alkavare etwas Zeit lassen. Und den Miellädno gilt es auch zu queren.

Morgenstimmung am ÁlggajávrreMorgenstimmung am Álggajávrre

Müsli und Tee zum Frühstück, dann einpacken. Das Essen hat sich halbiert und entsprechend mehr Platz ist im Rucksack. Aber irgendwie ist er so voll wie immer. Um 10 Uhr gehe ich los. Ich steige ein paar Meter zum deutlichsten Pfad ab und versuche ihn zu folgen. Das Weidengestrüpp ist heute zum Glück trocken. Ich versuche heute auf den Pfaden nicht zu viel Höhe zu gewinnen. Weiterhin gehen jedoch alle Stiege nach oben. Warum auch immer.

Am Ufer des ÁlggajávrreAm Ufer des Álggajávrre

Nach zwei Kilometern wechsele ich auf einen Pfad direkt am Seeufer. Schließlich erreiche ich einen kleinen Hügel. Eine Möwe schlägt Alarm. Weiter oben erblicke ich die Alkavare Kapelle. Ein faches Steinhaus. Ich ändere meine Richtung und beginne mit dem direkten Aufstieg. In dem hügeligen Gelände treffe ich auf einen Pfad, es haben noch andere diese Route genommen.

Alkavare KapellAlkavare Kapell

An der Kapelle bewegt sich etwas. Ein Wanderer ist dabei loszugehen. Wir winken einander zu und dann gehen wir doch noch aufeinander zu. Es ist die erste Person seit dem Boarekjávrre, mit Ausnahme der beiden stummen Schweden im Niejdariehpvágge, mit der ich spreche. Es ist ein Deutscher, der übers Rapadalen und Aktse nach Kvikkjokk will. Wir quatschen etwas und stellen fest, dass wir am selben Tag in Kvikkjokk ankommen sollten.

Alkavare Kapelle

Alkavare KapellAlkavare Kapell

Die Alkavare Kapelle (Alkavare kapell) ist ein einfaches, rechteckiges Steinhaus. Die Kapelle hat seinen Ursprung bereits im 18. Jahrhundert. Nachdem die Bergleute der nahen Silbergruben noch ihren Gottesdienst unter freien Himmel abhielten, wurde das Gebäude 1788 für die Gottesdienste der Samischen Gemeinde errichtet. Der Priester kam zu Fuß aus Kvikkjokk. Vermutlich wurde die Kirche bis 1863 genutzt. Dann verfiel sie und wurde 1961 restauriert und wiedereröffnet. Jedes Jahr findet am dritten im Juliwochenende ein Gottesdienst statt.

Altar in der Alkavare KapellAltar in der Alkavare Kapell

Im Innern befindet sich an der östlichen Seite ein einfacher hölzerner Altar. Licht spenden Kerzen, aber es empfiehlt sich bei einem Besuch die Fensterläden zu öffnen. Die Bänke sind zusammen geschoben. Es kann davon ausgegangen werden, dass dort auch häufig Wanderer übernachten. Der Zustand ist gut und sauber. Das Dach wurde in diesem Jahr neu geteert und die Fensterläden haben von dem schwarzen, stinkenden Anstrich auch reichlich abbekommen. Ich schaue ins ausgelegte Gästebuch, die letzten Wochen war fast jeden Tag jemand hier. Nach einem Eintrag verlasse ich die Kapelle. Ich schließe die Tür wieder mit einem Rumms und gehen hinaus. Bevor ich weiter gehen will ich noch zu den Resten der Silbergruben weiter oben im Hang.

Silbergruben

Unweit der Kapelle wurde im 17. Jahrhundert silberhaltiger Amphibolit abgebaut. Das Gebiet ist in der Karte mit Gruvområde gekennzeichnet.

Silbergruben am GájnájjågåsjSilbergruben am Gájnájjågåsj

Der Abbau erfolgte ab 1672 unter schweren Bedingungen. Als Bergleute wurden Soldaten verpflichtet. Der Transport musste von zwangsrekrutierten Samen mit ihren Rentieren übernommen werden. Das Gestein wurde von ihnen nach Kvikkjokk transportiert, wo es eine Schmelzhütte gab. Zum Abbau wurden in der engen Schlucht des Gájnájjågåsj Gänge gesprengt.

Ich folge von der Kapelle einen ausgetretenen Pfad den Hang mit vielen Blaubeeren hinauf und treffe nach rund 300 Meter auf die historischen Spuren des Abbaus. Der Gájnájjågåsj fließt in einer tiefen, engen und unzugänglichen Schlucht. Neben den gesprengten Schächten sind auch noch Stützmauern und Gebäudereste zu sehen. Ich gehe zurück zu Kapelle, wo ich meinen Rucksack deponiert hatte. Weiter geht es hinab zum Álggajávrre. Auf der ebenen Fläche steht eine Rengärde. Hier lässt es sich auch gut Zelten.

Überfahrt in den Padjelanta Nationalpark

Nun gilt es den Abfluss des Álggajávrre zu queren. Den Miellädno hatte ich 2015 weiter unten auf dem Padjelantaleden über eine Brücke gequert und als recht mächtig in Erinnerung. In der Karte sind jedoch Ruderboote (Roddbåtar) verzeichnet und auf die hatte ich nicht umsonst gehofft. Nur verlassen wollte ich mich nicht drauf und so hatte ich eine mögliche Furt ca. einen Kilometer flussabwärts und eventuell eine baufällige Brücke einen weiteren Kilometer vom See entfernt als unsichere Alternative.

Das neuere Aluminium-Ruderboot erlaubt die ÜberfahrtDas neuere Aluminium-Ruderboot erlaubt die Überfahrt

Die beiden Ruderboote wurde 2009 von der Kirchengemeinde Jokkmokk und dem Fjällvandrarklubben Skarja gespendet und per Hubschrauber an den Álggajávrre transportiert. Sie sind noch gut in Schuss und lassen sich leicht rudern. Allerdings müssen sie so einiges mitmachen. Ein altes Ruderboot (mitgenommen und mit größeren Löchern) liegt mit dem Kiel oben erhöht an Land. Das neuere Boot ist angeleint, ebenfalls umgedreht und vom Wasser ein ganzes Stück entfernt. Wie soll ich das nur zu Wasser lassen? Ich muss schon meine ganze Kraft aufwenden es umzudrehen. Ich wechsele in meine Crocs und ruckele ich das Ruderboot zentimeterweise Richtung Wasser. Dort räume ich noch ein paar Steine aus dem Weg und schließlich schwimmt es.

Das Ruderboot ist gewassertDas Ruderboot ist gewassert

Ich bin kaputt. Ich lade Rucksack, Kamera und Schuhe ein und rudere los. Das Rudern geht leicht. Ich verlasse ich nun den Sarek Nationalpark und befinde mich wenig später am andern Ufer im Padjelanta Nationalpark. Die Anlegestelle liegt zwischen Schilf. Ein zweites Boot liegt im Schlick halb an Land und ist angeleint. Ich lade meine Sachen aus und ruckele am zweiten Boot. Es bewegt sich nicht. Erst mal Pause und erholen und dann mit neuer Kraft versuchen. Ich ziehe mein Boot aus dem Wasser, leine es an und esse erst mal etwas. Dann laufe ich rum und mache Fotos. Schließlich ziehe ich meine Schuhe an, packe die Sachen ein und setzte den Rucksack auf.

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie es sein kann, dass an einem Ufer keine Boote sind. Und wie bescheuert man eigentlich sein muss... genauso passiert es. Aber nicht aufregen, denn keine Frage, ich komme wieder. Aber erst einmal merke ich nichts, sondern gehe mit einer inneren Zufriedenheit auch dieses Hindernis gemeistert zu haben los.

ÁlggajávrreÁlggajávrre

Nächstes Ziel ist der See Lulep Rissájávrre, an dessen östlichen Ende man gut Zelten kann, eine schöne Aussicht auf die Sarekberge inklusive. Die Route führt eigentlich nur gerade aus und langsam hoch an der Ostflanke des Nuortap Rissávárre. Ich verlasse das sumpfige Ufer. Und beginne den 150 Meter hohen Anstieg. Das Gelände ist überraschend hügelig. Dazwischen sind Flächen mit kleinen Seen oder Bäche. Ein Paradies für Rentiere. Die Sonne scheint und der schönen Gegend verzeihe ich das häufige auf und ab. Kurz vorm Lulep Rissájávrre wird es sumpfig, aber die meisten Flächen sind auch hier trocken. Am Ostufer finde ich einen schönen Platz mit Blick auf den See. Hügel bieten mir Windschutz. Um 16 Uhr steht mein Zelt. Ich schicke wie immer eine Nachricht nach Hause, Trinkwasser entnehme ich dem See. Nachdem die Luftmatratze und Schlafsack ausgepackt sind esse ich eine Nudelsuppe.

Zeltplatz am Lulep RissájávrreZeltplatz am Lulep Rissájávrre

Während ich in der Sonne sitze ziehen Wolken von Süden über den Sarek hinweg. Im Njoatsosvágge gießt es in Strömen. Wenig später regnet es auch im Sarvesvágge und Regenbogen erzeugen eine dramatische Atmosphäre. Im Álggavágge und im Padjelanta scheint dagegen die Sonne. Zu Abend esse ich heute Chili con Carne. Als die Sonne untergeht murmele ich mich in meinen Schlafsack. Im Halbschlaf schrecke ich plötzlich auf: Das Boot, ich habe das Boot nicht wieder auf die andere Seite gebracht. Mist. Ich sitze senkrecht im Zelt und bin wach. Es sind rund 2,5 Kilometer zurück zu den Booten. Das muss ich morgen früh in Ordnung bringen.

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Brücke über den Miellädno am Álggajávrre

Rund 2 Kilometer flussabwärts vom Álggajávrre gibt es eine permanente alte Brücke über den Miellädno. Sie gehört der Jåhkågasska tjiellde Sameby. Die Brücke ist intakt, aber im schlechten Zustand und die Benutzung erfolgt auf eigenes Risiko.

67°21'9" N, 17°11'15" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

10.2019

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