Auf Rentierpfaden durch den Sarek ins Padjelanta
Trekkingtour von Suorva über Stáloluokta und Pieskehaure nach Kvikkjokk

22-25: Kvikkjokk · Tingstallstenen

Kvikkjokk und Heimfahrt

Nachdem die Trockenversuche im Cottage der Fjällstation erst zu einer Sauna und dann zu einer Tropfhöhle führten, war die Nacht kürzer als gehofft. Jedenfalls sind die Sachen der Griechinnen so trocken geworden, dass sie flugfertig packen können. Ich muss ebenfalls auschecken und kann erst wieder um 15 Uhr in das gebuchte Hotelzimmer einchecken. Zusammen gehen wir frühstücken, packen und machen das Cottage für die nächsten Gäste sauber. Nach dem Auschecken setzen wir uns im Haupthaus ins Cafe. Ich habe die Gelegenheit genutzt und für Abends einen Platz im Restaurant reserviert. Wir quatschen noch eine ganze Weile und tauschen uns mit Wandervorschlägen aus. Bei dem recht guten Wetter will ich noch ein Runde drehen.

Tingstallstenen, wo bist du?

Rund 1,5 Kilometer den Kungsleden nach Norden ist auf der Karte der Tingstallstenen oder Diggehájkgállo eingezeichnet. An dem großen, markanten Stein, soll früher Recht gesprochen worden sein. Nun war ich schon zweimal dort entlang gewandert und hatte ich ihn nicht gesehen. Das will ich ändern. Ich verabschiede mich von den Griechinnen und mache mich auf den Weg. Kaum gestartet, kommt mir die Schwedin von gestern entgegen. Sie hat ihre Socken vergessen und muss zurück. Andere Wanderer mit schweren Trekkingrucksack erkundigen sich, ob noch ein Boot fährt. Da kann ich mittels Handy sogar mit den Abfahrtszeiten dienen.

Inzwischen geht es ganz schön bergan durch den Wald. An einer Weggabelung geht der Kungsleden gerade aus und der Winterweg zweigt nach rechts ab. Laut der Karte muss ich da lang. Der Boden ist recht nass und ich muss Pfützen umkurven. Ich halte die Augen offen und kontrolliere die Position auf dem Handy. Als ich wieder schaue, bin ich vorbei. Wie jetzt? Ich gehe wieder zurück und zoome rein. Der Punkt liegt neben dem Weg im Wald und so schlage ich mich durch das Unterholz. Er gibt interessante und große Felsen, aber keiner ist groß genug. Schließlich stehe ich auf dem Punkt. Was soll ich sagen, auch beim dritten Versuch habe ich ihn nicht gesehen...

Zurück am Cafe hocke ich mich wieder zu den Griechinnen. Sie können es nicht glauben und halten mir einen Reiseführer mit Foto vor die Nase. Auf die Frage, ob sie ihn denn gesehen haben kommt aber auch keine wirkliche Antwort.

Von Notfallsendern, Helikoptern und Rentierscheidung

Um 15 Uhr kann ich wieder einchecken und das Restaurant ist bereits ausgebucht. Zum Glück hatte ich schon am Morgen reserviert, denn was ist eine Trekkingtour ohne Abschlußessen. Ich hatte mich entschieden mit Fremden am Tisch zu essen. Das finde ich interessanter, als alleine zu sitzen. Als ich um 18 Uhr zum Essen komme stellen sich meine Begleiter als zwei Schweden heraus. Ein Marketingdozent auf Trekkingtour und ein Hubschrauberpilot, der für Kallax fliegt. Wir sprechen Englisch und es wird ein sehr interessanter Abend. Wann kann man schon einmal über die Meldeketten von Notfallsendern oder die Rentierscheidung mit Hubschraubern zu plaudern.

Das Essen ist an den Fjällstationen in der Regel sehr gut und eher mit einem Restaurant vergleichbar, als mit einer Jugendherberge. Ich wähle als Vorspeise Trio av ren & älg. Es gibt in feinen Scheiben eingelegte Rentierkeule, warmgeräucherten Elchbraten und geräuchertes Rentierherz auf Meerrettichschaum und eingelegten Pfifferlingen. Rentierherz ist eine begehrte Spezialität der Samen. Mir war es etwas zu trocken und ich überlasse es lieber weiterhin den Einheimischen. Als Hauptspeise stand die Wahl Rödingfilé schon fest bevor ich die Speisekarte entziffert hatte. Den Arktischen Saibling mit Beurre blanc (Buttersauce) gab es auf Kartoffel-Artischocken-Püree und Gemüse und dazu ein Glas Riesling.

Heimfahrt

Nachdem Frühstücken und Auschecken sitze ich die nächsten Stunden mit dem älteren Schweden zusammen und unterhalte mich über Trekkingtouren und -ausrüstung. Draußen nieselt es und der Bus fährt erst um 14 Uhr. Mittags gönne ich mir noch einen Burger und dann geht es auch schon im strömenden Regen runter zur Bushaltestelle vor der Kirche. Der LTN-Linienbus Nr 47 ist gut gefüllt. Wir sind überpünktlich in Jokkmokk und so verbleiben noch 25 Minuten bis zur Abfahrt der Linie 43 nach Murjek. Nachdem wir alle aus dem Bus ausgestiegen sind und unser Gepäck ausgeladen haben, verändert der Busfahrer die Anzeigentafel zur 43. Ich nutze die Zeit und gehe zum ICA Supermarkt, der ein kurzes Stück die Berggatan entlang liegt. Nachdem es in Kvikkjokk kein getrocknetes Rentier zu kaufen gab, will ich hier mein Glück versuchen. Ich werde schnell fündig und kann am Busbahnhof noch auf Toilette gehen bevor wir weiter fahren.

In Murjek haben wir 3½ Stunden bis zur Abfahrt des Nachtzuges. Es ist Sonntag und der kleine Kiosk im Bahnhof hat geschlossen, aber zumindest der Warteraum ist offen. Murjek ist mit seinen 83 Einwohnern recht verschlafen und liegt ca 5 Kilometer südlich des Polarkreises. Es ist nichts los und da kann so eine Wartezeit schon recht lang werden. Da ich diesmal nicht fliege und habe ich die halbvolle zweite Kartusche im Gepäck und kann ich mir Wasser für Tee und Kartoffelpüree-Snack kochen. Neben mir warten noch vier Deutsche Frauen, ein Niederländer und drei Schweden. Pünktlich um 20:57 Uhr kommt der Vy Vattåget 93. Ich teile mir das Schlafwagenabteil mit zwei der Frauen, die alles andere als gesprächig sind, aber anscheinend am Padjelantleden waren. Einen Restaurantwagen gibt es nicht und da die Frau im unteren Bett sich gleich hinlegen will, bleibt mir auch nichts anderes übrig als wie gewohnt um 9 Uhr ins Bett zu gehen.

Ankunft in Stockholm ist 9:26 Uhr. Ich schließe meinen Rucksack im Bereich des Busbahnhofs bei den Toiletten ein, da es dort ruhiger ist und es Bänke zum Packen gibt. Anschließend verbringe ich den Tag in der Altstadt. Das Cafe Strömparterren auf Helgeandshomen macht diesen Montag leider erst später auf und so muss ich mir etwas anderes Suchen. Zumindest der Buchladen Bok & Bild in der Drottninggatan macht um 11 Uhr auf. Traditionell versorge ich mich hier mit den neuesten Taschenbüchern.

Um 17:47 geht es weiter mit dem SJ Nattåg EuroNight 345. Ich besuche noch kurz den Supermarkt und kaufen einen Burger. Als ich am Schließfach ankomme, geht ein schriller Alarm los. Alles bleibt ruhig, aber als die ersten Personen in gelben Warnwesten herumgehen, sehe ich zu, dass ich mein Rucksack aus dem Schließfach befreie. Wer weiß, ob ich an das Gepäck komme, wenn wir gleich evakuiert werden. Der Alarm verstummt auf geheimnisvolle Weise und die Warnwesten verschwinden wieder. Im Nachtzug, konnte ich nur einen Platz im 6er Liegewagen buchen. Mit mir steigt eine jüngere Schwedin ein, die ebenfalls in Hamburg aussteigt. In Alvesta steigen zwei ältere Paare zu, die erst einmal die Sektflasche öffnen und wohl einen Wochenendtrip nach Berlin unternehmen. Das kann ja heiter werden, denn morgen muss ich schon wieder arbeiten. Ich verstehe Fetzen der Unterhaltung und sie drohen scherzhaft damit sie würden schnarchen. Aber sie fragen auch mehrmals, ob wir ins Bett wollten. In Malmö steht der Zug sehr lange und so vertreten sich die vier die Beine, während wir beide in die oberen Betten gehen. Als wir Malmö verlassen schlafe ich schon tief und fest. Pünktlich um 6:01 erreichen wird den Hamburg Hauptbahnhof.

Kvikkjokk Fjällstation

Kvikkjokk FjällstationKvikkjokk Fjällstation

Lage: Kvikkjokk, Kungsleden

Lat/Lon: 66°57'13" N, 17°43'10" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

Anzahl Betten: 51-75

Proviantverkauf: ja

STF Kvikkjokk Fjällstation / Kvikkjokk Fjällstation (Betreiber: STF Svenska Turist Foreningen)

11.2023

Vy Nattåg (Nachtzug)

Schlafwagenabteil im NachtzugSchlafwagenabteil im Nachtzug

Von Stockholm aus ist der Nachtzug Richtung Kiruna und Narvik oder Luleå eine gute Möglichkeit nach Lappland zu reisen. Auf ihn abgestimmt sind die Buslinien, welche einen ins Wandergebiet bringen. Buchbar sind die Nachtzüge recht spät. Für die Sommer-Hauptsaison (Juli bis Mitte August) ab Mitte April und für die Zeit danach ab Mitte Mai.

Trotzdem kann es sein, das nicht alle Züge zu dem Termin buchbar sind. Wenn Gleisarbeiten geplant sind, werden die Züge mit dem Vermerk "Track maintenance is planned" erst einmal geblockt und erst nach Abschluss der Planungen in das System eingepflegt.

Es ist empfehlenswert Zug und Bus zusammen zu buchen. Das sogenannte ResPlus-Ticket verpflichtet die Anbieter den Reisenden an den Zielort zu bringen.

Vy

10.2019

Seite zurück
nach oben
Seite  vor