Auf Rentierpfaden durch den Sarek ins Padjelanta
Trekkingtour von Suorva über Stáloluokta und Pieskehaure nach Kvikkjokk

7. Tag: Tjåggŋårisjågåsj · Máhtujåkåsj · Skárjá · Guohpervágge

Über Skárjá ins Guohpervágge

Es dauert bis die Sonne auf das Zelt scheint und etwas Wärme bringt. Auch wenn die Nächte nicht kalt sind, ist es ohne Sonne etwas frisch. Zu meiner Überraschung ist es schon halb acht. Was macht der Tjåggŋårisjågåsj ist mein erster Gedanke. Ich gehe die paar Meter zum Fluss und traue meinen Augen nicht. Da fließt ja kaum noch Wasser. Als ich mich umdrehe, sehe ich, dass ich einen Nachbarn bekommen habe, der keine 100 Meter neben mir in einer Mulde steht und auch auf der anderen Seite ist noch ein Zelt errichtet worden. Erst einmal frühstücken und dann los.

Furt am Tjåggŋårisjågåsj

Gegen 9 Uhr habe ich fertig eingepackt und bin bereit für die Furt. Das sind heute Morgen locker 20-30 cm weniger Wasser als am Vorabend. Vor allem ist das Wasser heute so klar, sodass ich den Grund sehen kann und somit nicht nach Steinen tasten muss. Auf meiner Seite geht mir das Wasser nun nur bis zum unteren Wadenansatz und auf der anderen Seite zum Knöchel. Ich setzte mich auf einen Felsen und wechsel in meine Wanderschuhe. So ein erfrischendes Fußbad am Morgen hat schon was. In 16 Stunden von Ohaua haua ha!¹ zu Easy Peasy!² und heute Abend geht das Spiel hier von vorne los. Typisch für einen Gletscherfluss bei Sonne.

¹ Ohaua haua ha! = Hamburgisch, wenn das Entsetzen grenzenlos ist
² Easy Peasy = kinderleicht

Durch das obere Rapadalen

Als ich meinen Rucksack aufsetzte, schaut der Nachbar aus dem Zelt und ich winke nochmal rüber bevor ich mich auf den Weg mache. Der Pfad verläuft etwas weiter oben im Hang und so gehe ich über grüne Flächen schräge nach oben, bis ich wieder auf dem ausgetretenen Pfad bin. Mit tollen Aussichten in das Tal hinab und zum oberen Rapadalen, in dessen Talkessel der Guohperjåhkå über einen Wasserfall ins sumpfige Delta des Ráhpajåhkå hinabfließt. Auch bei mir wird es etwas sumpfiger und der Pfad verläuft zwischen Weidenbüschen, ohne allzu mühsam zu werden.

Gegen 10 Uhr meldet sich der Magen. Auch wenn ich noch nicht weit gekommen bin, esse ich wie jeden Vormittag zwei Scheiben Knäckebrot mit Kalles Kaviar. Danach geht es gleich weiter, denn ich will den Máhtujåkåsj möglich früh erreichen. Ob der kleine Gletscher überhaupt noch einen Einfluss auf den Wasserstand hat, ist mir nicht ganz klar, aber eine einfache Furt würde ich begrüßen.

Furt am Máhtujåkåsj

Kurz vor 11 Uhr komme ich schließlich an die zweite Furt des Tages. Das Wasser des Máhtujåkåsj ist klar und er lässt sich am Pfad einfach über Trittsteine queren. Unterhalb stürzt sich der Máhtujåkåsj durch eine enge Schlucht in die Tiefe. Die glatt geschliffenen Felsen faszinieren mich und so nehme ich mir etwas Zeit den Canyon zu bewundern. Mit zwei Stücken Schokolade gestärkt geht es weiter Richtung Skárjá.

Skárjá im Herzen des Sareks

In Skárjá gibt es mitten im Sarek die einzige offene Schutzhütte mit Nottelefon. Daneben gibt es eine Toilette und Platz zum Zelten. Im Frühsommer wird die Sommerbrücke über den Smájlajjåhkå gelegt und ermöglicht das Queren des Flusses, welcher in einer tiefen Schlucht fließt. Obwohl ich bereits zwei ausgedehnte Touren im Sarek gewandert war, zum "Herz des Sarek" hatten sie mich nicht geführt. Inzwischen ist keine Wolke am Himmel, als ich die kleinen Gebäude erspähe. Zwei Wanderer folgen mir und an der Schutzhütte laufen auch schon Zwei rum. Wird ja richtig voll da. Das denken die anderen wohl auch, denn als ich die Treppen zur Brücke erklimme, schultern die Beiden an der Schutzhütte ihre Rucksäcke und die mir folgenden sind verschwunden. Ich schaue mich etwas um. Um in die Schutzhütte zu kommen, muss ich mich gegen die Tür werfen, nur so bekomme ich den Schieberiegel auf. Erfreulicherweise ist die kleine Hütte nicht vermüllt. Ein Tisch und eine Bank sind im hinteren Teil. Etwas Feuerholz für den Notfall ist vorhanden. Das Nottelefon befindet sich in einem orangen Kasten an der Wand. Daneben hängt die Bedienungsanleitung in Schwedisch, Deutsch, Englisch und Französisch. Bis zu einer Minute kann es dauern, bis das Freizeichen kommt. Mein Garmin inReach braucht hier oben im Norden nach dem Anschalten oft einige Minuten, bis die Position ermittelt und versendet wird. Bei dem schönen Wetter zieht es mich für die Mittagspause aber weiter, zumal es noch recht früh ist.

Von hier will ich ins Guohpervágge. Am Ufer des Smájlajjåhkå führt ein ausgetretender Trampelpfad entlang, aber dieser scheint wohl vor allem dem Blick in die Schlucht zu dienen. Das mache ich natürlich auch noch, bevor ich den Rucksack wieder aufsetze. In der Karte ist ein Gångstieg eingezeichnet, der über den Sattel ins Guohpervágge und weiter ins Álggavágge führt und so fällt mein Blick auf die Tür im Rentierzaun.

Ins Guohpervágge

Ich verlasse den Bereich durch die Tür. Von hier führt ein etwas undeutlicher Pfad in die gewünschte Richtung. Wer ins Álggavágge möchte, muss den Guohperjåhkå queren. Ich möchte aber zuerst auf der nördlichen Talseite des Guohpervágge bleiben. Mein Plan ist es somit nicht zum Fluss abzusteigen, sondern den Weg so lange zu folgen, wie er an der 800 Höhenlinie entlang verläuft. Wenn möglich, will ich auf dieser Höhe weiter wandern, die mich automatisch zum Talgrund etwas oberhalb der Mündung des Gálmmejåhkå in den Guohperjåhkå führt. Soweit der Plan, denn den Pfad verliere ich zwischen Felsenstufen, Sumpfflächen und Gestrüpp schneller als gedacht. Trotzdem komme ich gut voran. Immer wieder tauchen Stiege auf, den ich folgen kann bis ich sie wieder verliere.

Gegen 13 Uhr suche ich mir ein Plätzchen im Hang und mache Mittagspause. Unter mir liegt das farbenfrohe Delta des Ráhpajåhkå. Die ersten Wanderer kommen vermutlich aus dem Álggavágge und wandern weiter unten im Hang Richtung Skárjá. Sie kommen zügig voran und ich vermute den Weg dort. Während ich meine Nudelsuppe löffel, werde ich von einem weiteren Wanderer entdeckt, der sofort die Richtung ändert und zielstrebig auf mich zukommt. Ja, Mensch, ich mach hier doch nur Pause. Bevor der Hang erstürmt wird, will Nr. 2 jedoch noch warten. Und als Nr. 3 um die Ecke biegt, folgen sie doch lieber den anderen Wanderern. Im weglosen Gelände ist es eigentlich normal, dass man sich an anderen Wanderern orientiert. Das aber gleich losgesprintet wird, ist neu für mich.

Nach der Pause bleibe ich auf der 800er Höhenlinie. Es lässt sich recht gut gehen. Immer wieder treffe ich auf einen ausgetretenen Pfad, den ich im Bereich von Feuchtwiesen wieder verliere. Nicht nur Menschen wandern hier entlang, sondern auch Rentiere hinterlassen ihre Wegspuren. Das Wetter könnte nicht besser sein. Wolkenlose Gipfel und ein weiter Blick, einfach toll. Vor der Mündung des Gálmmejåhkå wird das Gelände auch auf meiner Linie flacher und feuchter und auch sonst etwas unwegsamer. Der Fluss vom Gletscher am Skárjátjåhkkå fließt in einer Kiesrinne und lässt sich einfach queren. Er versorgt die umgebenen Wiesen mit ausreichend Wasser und als ich ihn gequert habe, wird der Untergrund auch wieder trockener.

Oberhalb der Mündung des Gálmmejåhkå in den Guohperjåhkå liegen im Guohpervágge einige Terrassen. Diese hatte ich mir als möglichen Zeltplatz ausgeguckt. Als ich sie gegen 17:30 erreiche werde ich auf der Hangseite schnell fündig. Ein schöner Platz mit Blick in die drei Täler Oberes Rapadalen, Guohpervágge und Álggavágge bzw. mehr ins Áhkávágge. Später sehe ich noch zwei Zelte unterhalb der Renvaktastuga am Gálmmejåhkå.

Für heute stehen vegetarische Frikadellen mit Kartoffelpüree auf dem Speiseplan. Diese bestehen aus Erbsenproteien und müssen ca. 30 Minuten quellen. Ich nutze die Zeit und schaue mich etwas an dem schönen Platz um. Die Terrasse in Flussnähe sehen zwar schön aus, stellen sich aber als recht feucht aus. Ich blicke das Guohpervágge entlang. Markant ist der Guohper auf der bördlichen Talseite. Ihn werde ich morgen passieren. Bis dahin erwarten mich rund 50 Meter Höhenanstieg im grünen Tal bis zur Wasserscheide. Besonders schön ist der Blick ins Áhkávágge. Prominent thront der Kanalberget im Tal. Der Áhkájåhkkå hat noch eine Schneehaube, die den darunter liegenden Teil des Geltschers Áhkájiegŋa schützt. Und auch den Gipfel des Axel Hermbergs topp kann ich erspähen. Nach Osten blicke ich auf Sarek-Massiv und Ähpár-Massiv.

Zurück am Zelt ist es Frikadellenzeit. Ich bin gespannt. Ich schmore die eingeweichten Zwiebeln im Deckel vom Topf und lege kleine Häufen von der Masse darauf. Die ist mit roter Beete gefärbt und deshalb werden die Zwiebeln rosa. Dazu eine Portion Kartoffelpüree. Geschmacklich zwar nicht wie eine Fleischfrikadelle, aber mal etwas anderes. In der Kombi schmeckt es mir gut und es macht satt. Bei nur 120g Gewicht war ich da vorher trotz vorherigen Probeessen zu Hause etwas skeptisch. Gegen 20 Uhr wird es schattig im Guohpervágge.

Karte
Profil

Mikkastugan

Mitten im Sarek Nationalpark befindet sich in Skárjá eine Schutzhütte mit Nottelefon. Die Mikkastugan befindet sich unweit der Sommerbrücke über den Smájlajjåhkå.

67°22'39" N, 17°38'38" E Öffne in Lantmateriet.se Öffne in Opentopomap.org

11.2023

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