Durch den Stora Sjöfallet und Sarek Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in Schwedisch Lappland - Teil 1: Sarek

17. Tag: Zeltplatz nordöstlich des Ridok · Nammásjjåhkå · Tjasskávárásj-Ebene · Zeltplatz am Pass zum Skierffe · Gipfel des Skierffe

Zum Skierffe

Die Aussicht ist am morgen genauso schön wie am Abend. Ein paar Wolken sind am Himmel, aber das Blau überwiegt. Ausnahmsweise habe ich mein Tagesziel bereits am Morgen vor Augen. Der Skierffe ist knapp 4,5 Kilometer Luftlinie entfernt.

Am NammásjjåhkåAm Nammásjjåhkå

Zuvor muss ich mit dem Nammásjjåhkå noch den letzten Fluss überwinden. Ich brauche rund eine halbe Stunde um bis zu einer guten Watstelle auf 1100 m Höhe zu gelangen. Die Querung dort ist einfach.

Nun gilt es südlich des Gierdogiesjtjåhkkå vorbei auf die große Ebene zwischen Gierdogiesjtjåhkkå und Skierffe zu gelangen. Auf der Karte wird die Ebene Tjasskávárásj benannt, nur várásj heißt kleiner Berg. Von einem Hügel, geschweige Berg, ist aber nichts zu sehen. Nach der Querung des Nammásjjåhkå gehe ich auf der Konturlinie nach Südosten. Es wird immer felsiger. Am kleinen Pass südliche des Gierdogiesjtjåhkkå sorgt ein Schneefeld in der Senke, dass ich mich nördlich orientieren. Zwar ist hier eine Art Pfad, aber ich komme so in blockreiches Gelände. Aus der Ferne kommen Stimmen die ich eine ganze Zeit nicht zuordnen kann. Dann entdecke ich die ersten Rentiere in der Ebene. Und beim zweiten Blick sehe ich, dass die ganze Ebene von einer großen Herde bevölkert ist.

Steiler Abstieg an der Südflanke des GierdogiesjtjåhkkåSteiler Abstieg an der Südflanke des Gierdogiesjtjåhkkå

Inzwischen komme ich nicht mehr gut vorwärts. Irgendwie muss ich hier runter. Ich bin auf 1170 m Höhe und die Grasfläche liegt fast 200 m unter mir. Nichts wie runter. Ich gehe langsam. Immer wieder treffe ich auf menschliche Spuren. Wo häufig Menschen auf einen Trittstein treten wächst kein Moos. Es sind also schon einige in diesem Blockfeld gelandet.

Rentiere auf der Tjasskávárásj-Ebene westlich des SkierffeRentiere auf der Tjasskávárásj-Ebene westlich des Skierffe

Ich brauche über eine Stunde bis ich unten bin. Dort empfangen mich Rentiere. Erst kümmern sie sich nicht besonders um mich, aber dann werde ich ihnen unheimlig und sie ziehen Richtung Skierffe. Als ich mich ebenfalls in diese Richtung aufmache, kommt noch einmal ein Schwung Nachzügler, die von hinten an mir vorbeistürmen.

Argwöhnisch beäugt vom weissen RentierArgwöhnisch beäugt vom weissen Rentier

Die Ebene ist voll mit Rentieren. Drum herum gehen funktioniert nicht. Ich bewege mich also langsam zwischen den Tieren durch. Hier treffe ich auch Glöckchen wieder. Es gibt weitere weiße Rentiere. Als ich in der Mitte der Ebene ankomme, bricht Unruhe aus und eine größere Herde setzt sich in Bewegung. Nur einer nicht. Ein großer weißer Renhirsch folgt mir gemächlich mit gut zweihundert Meter Abstand. Er hat zum Glück eine Glocke um, wer weiß ob er plötzlich auf mich losläuft. Langsam wird er mit unheimlich. Aber dann verliert er das Interesse (oder ich stelle für seine Familie keine Gefahr mehr da) und bleibt stehen.

Dunkle Wolken ziehen aufDunkle Wolken ziehen auf

Ich möchte im Sattel des Skierffe zelten und dann von dort zum Gipfel gehen. Auf 1015 m finde ich eine kleine Terrasse auf der ich mein Zelt mit Blick zum Nammásj aufbaue. Wasser ist etwas weiter hangabwärts zu finden. Ein Rinnsal plätschert zwischen Weidengestrüpp. Etwas Besseres finde ich nicht. Es ist erst kurz nach 15 Uhr, aber inzwischen hat es sich zugezogen. Regen kündigt sich an. Ich sitze im Zelt und weiche Grünkohl mit Kassler und Kartoffeln ein. Zwischenzeitlich bekomme ich Besuch von Rentieren. Sie weiden um mein Zelt. Einzelne schauen neugierig, wenn sich unsere Blicke treffen. Inzwischen regnet es. In er Mitte der Ebene wird ein Zelt aufgebaut. Weitere Wanderer passieren meinen Zeltplatz und vertreiben damit meine tierischen Besucher.

Laitaure-Delta vom Gipfel des SkierffeLaitaure-Delta vom Gipfel des Skierffe

Es ist 19 Uhr, als ich mit dem Abendessen fertig bin und überraschend die Sonne durchbricht. Nichts wie raus aus dem Zelt - der Gipfel ruft. Ich gehe nicht direkt zum Gipfel, sondern orientiere mich halb zwischen Sattel und Gipfel. Von der anderen Seite des Sattels kommt ein Weg hoch vom Kungsleden, auf den ich recht schnell stoße, und der mich bequem zum Gipfel bringen soll. Ich komme schnell an das erste Steinmännchen. Als ich mich umdrehe, sehe ich zwei weitere Wanderer die mir folgen. Sie haben unweit meines Zeltes ebenfalls ihr Lager aufgeschlagen, welches gut zwischen Felsen versteckt ist. Es handelt sich um zwei Norweger. Zusammen schauen wir bei strahlend blauen Himmel ins Laitauredeltat hinab. Von den Wolken ist nichts mehr zu sehen.

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