Durch den Stora Sjöfallet und Sarek Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in Schwedisch Lappland - Teil 1: Sarek

18. Tag: Zeltplatz am Pass zum Skierffe · Opferplatz Aktsegállo · Kungsleden · Aktse · Zeltplatz am Suobbatjåhkå

Aktse am Laitaure

In der Nacht wache ich auf. Es ist kalt. Die Rentiere sind wieder da und machen sich lautstark bemerkbar. Dann ist es plötzlich wieder still. Als ich morgens aus dem Zelt schaue, ist die Ebene leer. Kein einziges Tier ist mehr zu sehen.

Rentiere nördlich des SkierffeRentiere nördlich des Skierffe

Es ist bewölkt und so verzichte ich auf einen weiteren Abstecher zum Gipfel des Skierffe. Um 17:00 geht das Boot, das mich von Aktse über den Laitaure bringen soll. Bis dahin sind es rund 8 Kilometer. Ich lasse es gemütlich angehen und starte kurz vor 11:00 Uhr. Nach einer Viertelstunde bin ich im Sattel am Skierffe. Auf der östlichen Seite liegt deutlich mehr Geröll, aber es lässt sich noch gut gehen. Ein Schneefeld taucht auf und dort sehe ich die ersten Rentiere. Als ob es in der Nacht nicht kalt genug war, liegen sie nun im Schnee. Ich habe das Schneefeld schon passiert, als mir eine weitere Gruppe entgegen kommt. Sie schließen sich der ersten Gruppe an und sofort bricht Unruhe aus. Immer wenn ich stehen bleibe, rennen sie auf die andere Seite des Schneefelds. Hin und her. Irgendwann legen sich die ersten wieder hin und Ruhe kehrt ein.

Der Weg nach Akste habe ich verloren. In der Senke östlich des Skierffe gibt es einiges an Weidengestrüpp. Ich suche mir eine bequeme Route um auf den Sattel zwischen Bassoajvve und Sliengetjåhkkå zu gelangen. Eine Gruppe mit Tagesrucksäcken geht weiter nördlich. Die Steinmännchen sind irgendwo zwischen uns.

Samischer OpferplatzSamischer Opferplatz

Von nun an geht es bergab. Da ich noch viel Zeit habe, mach ich einen Abstecher zum Sami Opferplatz nördlich des Weges kurz vor der Nationalparkgrenze. Ich sehe einen markanten Felsen auf einer Anhöhe und gehe drauf zu. Kaum angekommen, stelle ich per GPS fest, dass dies noch nicht der Opferplatz Bassegállo ist. Dieser liegt noch weiter nordöstlich an einem kleinen See. Ich wandere weiter in die Richtung. In dem kargen Gelände lässt es sich gut gehen. Als der Platz in Sicht kommt spare ich mir die letzten Meter und schwenke wieder Richtung Weg. Ich setzte mich auf einen Stein und genieße die karge Landschaft.

Auf dem Weg zwischen Kungsleden und Skierffe ist viel Betrieb. Kleine Grüppchen nutzen das gute Wetter für eine Tageswanderung zum Skierffe. Auch Sarekwanderer mit großen Gepäck sind dabei. Wenn mich jemand entdeckt, bleibt meistens die ganze Gruppe stehen und schaut hinüber. Ein Posten markiert die Grenze des Sarek Nationalparks, den ich nun verlasse. Langsam nähere mich wieder dem Weg.

Blick zurück zum SkierffeBlick zurück zum Skierffe

Der Weg ist nun sumpfig. Weitere Wanderer kommen mir entgegen. Manchmal wechseln wird ein paar Sätze. Zirka einem Kilometer passiere ich auf ihm den samischen Opferplatz Aktsegállo. Der Kungsleden ist nicht mehr weit als mir jemand mit Stativ und Kamera in der Hand entgegenläuft. Hier ist wirklich Betrieb.

Und dann bin ich auf dem Kungsleden. Die vielen Menschen sind für mich eine Art Kulturschock. Ein fröhlicher Mitarbeiter der örtlichen Verwaltung kommt mir mit einem großen Eimer Farbe entgegen. Er markiert den Kungsleden. Als ich frage ob er den ganzen Kungsleden markiert lacht er. Natürlich nicht. Nachdem er noch schlechtes Wetter für den nächsten Tag ankündigt trennen sich unsere Wege. Ich steige langsam auf dem steinigen Kungsleden in den Wald ab.

Um kurz vor 15:00 Uhr erreiche ich die Akste STF Stuga. Beim Stugvard melde ich mich für die Bootstour an die andere Seeseite für 17:00 an. Und dann gehe ich erstmal shoppen. Die Butik bietet alles was das Herz begehrt. Knäckebrot, Spaghetti, Tee, Salami, Schokolade und eine Fanta wechseln ihren Besitzer. Ich setzte mich auf die Bank und futtere erstmal Knäckebrot mit Salami. Meinen in zwei Wochen gesammelten Müll werde ich auch los.

Blick ins Rapadalen vom LaitaureBlick ins Rapadalen vom Laitaure

Um 16:45 gehe ich mit dem Stugvard zum Anleger. Ich bin die einzige, die heute noch auf die andere Seite will. Von der Gegenseite haben drei das Ruderboot genutzt und haben es fast geschafft. Vor allem Deutsche und Italiener sind im Augenblick unterwegs erfahre ich vom Stugvard. Am anderen Ufer des Laitaure ist mehr Betrieb. Acht Personen mit Rucksack passen ins Boot und elf zählen wir. Als er sagt, dass er nur acht mitnehmen kann, bricht Unruhe aus. Allerdings klärt sich alles schnell, es gibt somit zwei Touren. Nach einigen Diskussionen ist alles klar. Zwei warten auf das Ruderboot und wollen lieber Rudern statt 200 SEK zu zahlen. Der dritte ist die Vorhut einer SFT-Wandergruppe und soll das Boot klar machen, da die Gruppe etwas langsam unterwegs ist.

Ich passiere die schon gut besetzte Schutzhütte und nehme den Kungsleden unter die Füße. Hier hat der Markierungsmann vom Vortag schon seine Spuren hinterlassen. Allerdings gibt es keine Frage wo es lang geht. Der Weg führt in einer Schneise durch Birkenwald. Störende Äste sind zurückgeschnitten. Nach rund 10 Minuten treffe ich auf die ersten der SFT-Wandergruppe. Es dauert bis alles sieben an mir vorbei sind. Wer der Guide ist, wird mir nicht so ganz klar. Alle sehen erschöpft aus und fluchen über die Mücken. Mich locken die Birkenpilze im Wald, aber sie haben alle ein madiges Innenleben und so lasse ich es sein.

Südflanke des TjahkelijSüdflanke des Tjahkelij

Es dauert bis ich den mächtigen Tjahkelij passiere. Immer wenn die Südflanke durch den Wald lugt, habe ich das Gefühl als ob ich nicht vorwärts komme.

Am Ufer der Suobbatjåhkå finde ich einen erdigen Zeltplatz. Ich koche Spaghetti-Bolognese. In der Ferne donnert es und der Himmel ist bläulich gefärbt. Da braut sich etwas zusammen. Wenig später beginnt ein Platzregen.