Durch den Stora Sjöfallet und Sarek Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in Schwedisch Lappland - Teil 1: Sarek

6-7: Zeltplatz Nahe Nationalparkgrenze · Sarek · Watstelle Suottasjjåhkå · Feuchtgebiet am Suottasjjávrre · Zeltplatz am Sarekjåhkkå-Massiv

Am Suottasjjåhkå entlang

Ich habe gut geschlafen und wie erhofft war es nicht nur in der Nacht trocken, sondern ist es auch am Morgen. Zwar sind Wolken am Himmel, aber nach Regen sieht es nicht aus. Heute entscheidet sich ob ich durch den Suottasjjåhkå komme und damit auch die weitere Wegstrecke. Nach dem Frühstück ist das Zelt auch trocken und so packe ich und mache mich ganz gemütlich um zehn Uhr auf den Weg. Wenig später überschreite ich die Grenze zwischen dem Stora Sjöfallets und dem Sarek Nationalpark. Nun bin ich also auch offiziell im Sarek unterwegs.

Wat durch den Suottasjjåhkå

Die Wat durch den Suottasjjåhkå gilt als problematisch, da das Gletscherwasser trüb ist und die großen Steine damit nicht gesehen werden können. Mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken und mit einem Fuß vorantastend die Balance zu halten ist auch mit zwei Wanderstöcken nicht ganz so einfach. Deshalb gilt die Querung schon bei normalen Wasserstand als mittelschwer. Frederik Neregård und Claes Grundsten sind sich in ihren Wanderführern einig was die beste Watstelle ist: ein paar hundert Meter oberhalb des Zusammenflusses mit dem Nijákjågåsj soll es gehen.

Mögliche Watstelle am Suottasjjåhkå
Mögliche Watstelle am Suottasjjåhkå

Es dauert nicht lange und ich stehe an der von mir vermuteten Stelle auf 800 m Höhe. Ganz schön breit hier und trüb und strömen tut es auch. Hmmm. Versuch macht klug, denn immerhin gibt es ein paar Inseln. Also erst mal ohne Rucksack schauen wie es so ist. Der erste Arm ist recht tief. Danach geht es besser. Der letzte Teil dagegen ist der breiteste und die eigentliche Strömung ist erst kurz vor dem anderen Ufer. Ich bin zwar schon fast drüben, aber so richtig erwärmen kann ich mich nicht das Ganze mit dem Rucksack zu wiederholen. Zudem lasten dann noch ohne Beckengurt 23 kg alleine auf meinen Schultern. Während ich so Zickzack durch das kalte Wasser meinen Weg suche kommen zwei weitere Wanderer dazu. Sieht wohl nicht so toll aus was ich da veranstalte und sie gehen erst einmal flussaufwärts.

Ich setzte mich erst einmal hin, esse etwas und denke nach. Um ins schneereiche Ruohtesvágge zu gelangen muss ich queren. Die Alternativroute wäre durch das Guhkesvágge zu gehen und vom südlichen Ende wieder via Bierikjávrre auf die ursprüngliche Route zu gelangen. Safety first habe ich mir auf meiner Solotour vorgenommen. Denn es nützt nichts, wenn ich stürze und meine Sachen verliere. Also Guhkesvágge, auch wenn es mich doch etwas wurmt die Querung nicht zu machen.

Am Suottasjjåhkå entlang

Zufluss des Suottasjjåhkå mit SchneefeldZufluss des Suottasjjåhkå mit Schneefeld

Mein Weg folgt nun dem Suottasjjåhkå flussaufwärts. In der Karte ist keine Route eingezeichnet, aber in Frederik Neregårds Buch findet sich eine Beschreibung. Ein Feuchtgebiet südlich des Suottasjjávrre gilt es zu überwinden. Zwischen Suottasjvárátja und Alep Gássavárásj hindurch geht es nördlich einer Renvaktarstuga und der Zuflüsse des Guhkesvákkjåhkå weiter bis zum Abfluss des Sees Oarjep Tjievrajávrre. Der STF hat eine geführte Tour im Angebot die ebenfalls durch diese Täler führt - es sollte also möglich sein.

Wenig später kommen mir die beiden Wanderer entgegen. Wir unterhalten uns. Sie wollen es nun an meiner Stelle probieren den Suottasjjåhkå zu durchwaten. Für die nächsten Tage werde ich keine Menschen mehr sehen (mit Ausnahme des FiskFly-Hubschraubers).

Blick über den Suottasjjåhkå zu Suottasjtjåhkkå und Niják
Blick über den Suottasjjåhkå zu Suottasjtjåhkkå und Niják

Ich orientiere mich wieder weiter oben im Gelände, wo die Grasheide vorwiegt und das Gehen leichter fällt, als im feuchten Weidegestrüpp. Zudem erlaubt die erhöhte Aussicht eine gute Wegplanung. Es gibt nicht nur Blockfelder zu umgehen, sondern auch immer wieder hindern mich Schneefelder an einer direkten Linie. Mensch und Rentier haben mit der Zeit einige Pfade erzeugt. Immer wieder treffe ich auf solch einen Trampelpfad und komme so trotz Zickzackkurs gut voran. Im Hochtal östlich des Niják liegt noch richtig viel Schnee, auf dem Gipfel sowieso.

Feuchtgebiet südlich des Suottasjjávrre

Abfluss des SuottasjjávrreAbfluss des Suottasjjávrre

Das Gelände wird flacher und eine große Ebene taucht auf. Ich nähere mich dem Feuchtgebiet südlich des Suottasjjávrre. Der milchige Suottasjjåhkå führt auch hier oben viel Wasser. Ganz klar ist dagegen das Wasser des Abflusses des Suottasjjávrre. Der Bach ist mein nächstes Hindernis und markiert die westliche Grenze des Sumpfes. Es dauert nicht lange und ich finde eine passende Stelle und mit dem klaren Wasser ist die Querung problemlos möglich. Es ist schon halb sechs, aber so schön finde ich es hier zum Zelten nicht. Der Himmel sieht auch nicht mehr so gut aus wie am Morgen, meine innere Stimme drängt mich zum Weitergehen. Zumindest das Feuchtgebiet möchte ich heute noch hinter mir lassen. Also wieder Schuhe an und weiter.

Feuchtgebiet zwischen Suottasjjåhkå und SuottasjjávrreFeuchtgebiet zwischen Suottasjjåhkå und Suottasjjávrre

Das Feuchtgebiet quere ich direkt am Ufer des Suottasjjåhkå. Es ist noch nicht lange her, das dieser Hochwasser geführt haben muss. Zwar gibt es einen recht ausgetretenen Pfad, aber dieser ist mit einer dicken trockenen grauen Schlammschicht bedeckt und teilweise auch weggespült worden. Nach gut einer Stunde habe ich die Nordwestflanke des Alep Gássavárásj erreicht und damit wieder Felsen unter meinen Füßen. So langsam sollte ich mich nach einem Zeltplatz umschauen. Ich hoffe auf brauchbares Trinkwasser, denn das Schlammwasser will ich nicht unbedingt trinken. Es sieht aber erst mal schlecht aus.

Ich studiere die Karte nach möglichen Lagerplätzen. Fast alle Nebenflüsse des Suottasjjåhkå werden aus den Gletschern des Sarek-Massiv gespeist. Nur zwei Flüsse entstammen einem Feuchtgebiet östlich der Renvaktarstuga. Auf 975 liegt ein See östlich des Alep Gássavárásj. Spätestens dort sollte es Wasser ohne Gletscherschlamm geben. Ich gehe also weiter hinauf in den Sattel zwischen Suottasjvárátja und Alep Gássavárásj. Als ich in Richtung See blicken kann werde ich enttäuscht. Schnee über Schnee und wo ist da ein See? Ich stoppe das Vorhaben und orientiere mich in Richtung Zuflüsse des Guhkesvákkjåhkå. Dazu muss ich jedoch wieder etwas zurück gehen, denn ich bin eine Schneefeld-Sackgasse geraten.

Am Sarekjåhkkå-Massiv

Hinter mir kündigen dunkle Wolken schon Regen an, als ich ein Blockfeld quere und ein leises Plätschern vernehmen. Nun also nur noch einen guten Zeltplatz finden. Einsetzender Nieselregen erleichtert die Entscheidung. Ich stelle das Zelt auf eine Anhöhe mit schöner Aussicht auf den Gletscher Suottasjjiegna. Das Zelt steht und kaum habe ich Wasser geholt fängt es richtig an zu Regnen.

Regen, Regen, Regen

Blick aus dem ZeltBlick aus dem Zelt

Es regnet die ganze Nacht und auch am morgen geht es weiter. Das in der Karte eingezeichnete Feuchtgebiet ist in der Nacht zu einem See geworden. Das Zelt steht trocken und so bleibe ich erst mal liegen und lese Britt-Marie var här von Fredrik Backman. Zum Frühstück mache ich mir schließlich Rührei.

Gegen Mittag lässt der Regen nach. Die Wasserstände sind drastisch gestiegen. Um mich herum ist eine Seenlandschaft entstanden. Wie jetzt wohl das Feuchtgebiet am Suottasjjávrre aussieht? Nach einer Tütensuppe entschließe ich zu bleiben, denn bis zur nächsten Flussquerung sind es nur 4 Kilometer und ob ich da rüber komme?

Abends hellt die Stimmung auf. Die Wolken sind aufgerissen und es gibt sogar blauen Himmel. Dazu ein toller Anblick auf die Gletscher des Sarekjåhkkå-Massivs. Versöhnlich geht der Tag bei Lachs mit Pasta zu Ende.

Abendstimmung am Sarek-Massiv
Abendstimmung am Sarek-Massiv
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