Durch den Stora Sjöfallet und Sarek Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in Schwedisch Lappland - Teil 1: Sarek

5. Tag: Zeltplatz am Fuss des Áhkka-Massiv · Pass zwischen Sjnjuvtjudis und Áhkka · Sjnjuvtjudisjavrasj · Rákkasjåhkå · Zeltplatz nahe Nationalparkgrenze

Über den Pass zwischen Sjnjuvtjudis und Áhkka

Gegen acht Uhr morgens stehe ich auf. Die Sonne lacht. Nach dem Müsli-Frühstück packe ich ein. Es dauert etwas bis alles an seinem idealen Platz ist. Ich habe noch Handyempfang und schicke noch schnell eine SMS nach Hause. Dann geht es los. Bei dem schönen Wetter möchte ich über den Pass zwischen Áhkka und Sjnjuvtjudis gehen. Die Route ist sogar in der Karte eingezeichnet und müsste kurz nach dem Bach, welcher am Gletscher des Áhkka Västtoppar entspringt, abgehen. Allerdings bin ich durch Berichte gewarnt, dass die Abzweigung leicht zu übersehen sei.

Abzweigung zum Pass zwischen Sjnjuvtjudis und ÁhkkaAbzweigung zum Pass zwischen Sjnjuvtjudis und Áhkka

Es dauert nicht lange und ich treffe auf einen roten Pfeil, der auf dem Boden liegt. Von einem Pfad ist nicht viel zu sehen, aber die Richtung stimmt. Also versuche ich es. Ich bin auf alle Fälle nicht die erste die hier lang geht. Schnell wird es sumpfig. Vor nicht langer Zeit ist vor mir hier schon jemand durch das Gras gegangen. Das macht mir Mut doch auf dem Pfad zu sein. Ich peile grob eine Biegung im Bach an, an dem die Route vorbei führen soll. Dabei versuche ich auf den Anhöhen mit Birken zu gehen, damit ich mir nicht gleich am Anfang nasse Füße hole. Außerdem lässt sich auf festen Boden einfacher gehen als durch die Feuchtwiesen.

Irgendwie komme ich so zu weit nach rechts. Dort fließt der Abfluss des See Sjnjuvtjudisjavrasj, den ich nicht kreuzen darf. Wenig später treffe ich auf einen Trampelpfad, der mich wieder dichter an den Áhkka führt. Als ich ein Rinnsal queren will, trete ich am Rand auf ein kleines Stück vermeintlichen Sands und ruckzuck ist mein Fuß versunken. Ich setze mich auf die Böschung und es dauert etwas bis ich den Fuß samt Schuh aus dem Matsch gezogen habe.

Áhkka Terrassen

Blick von der unteren Áhkka-Terrasse auf den AkkajaureBlick von der unteren Áhkka-Terrasse auf den Akkajaure

Der Trampelpfad führt mich zielstrebig auf die erste steile Terrasse zu. Nach der Karte müsste ich dichter am Áhkka lang wandern, aber der Pfad sieht gut aus. Wenig später bin ich oben. Vor mir liegt eine fast baumlose Ebene. Ich habe das Kalfjäll erreicht. Zeit für eine kleine Rast um die tolle Aussicht zurück bis auf die Nordseite des Áhkkajávrre zu genießen. Für das kleine Stück bin ich nun fast zwei Stunden unterwegs.

Als nächstes Ziel peile ich eine weitere Terrasse an, die zwischen Áhkka und einem tiefen Canyon liegt. Der Abfluss des See Sjnjuvtjudisjavrasj fließt dort unten. In den Vertiefungen der Ebene liegt noch Schnee. Ich bewundere gerade ein paar Blumen als ich eine Dreiergruppe bemerke, die in einiger Entfernung entgegengesetzt geht. Wenig später treffe ich auf einen ausgetretenen Pfad. Dieser führt mich auf dem Pass. An einem kleinen Rinnsal finde ich Trinkwasser. Nach weiteren drei Kilometern muss ich einen sprudelnden Bach, der ebenfalls vom Västtoppar kommt, queren. Weiter oben steht ein Zelt. Wir winken uns zu und wenig später bin ich von Stein zu Stein balancierend sicher auf der anderen Seite.

Der Trampelpfad folgt nun der Konturlinie. Vor mir öffnet sich die Sicht auf Gisuris, Ruohtesvágge und Niják. Ich passiere den See Sjnjuvtjudisjavrasj. Langsam wird der Pfad undeutlich und vor mir liegt eine sumpfige Ebene. Ich halte mich weiter oben im Trockenen, verliere aber dadurch den Weg, falls es den hier noch gibt.

Rákkasjåhkå

Schneefeld am RákkasjåhkåSchneefeld am Rákkasjåhkå

Das nächste größere Hindernis ist der Rákkasjåhkå. Schnell wird klar, hier muss ich meine Watkombi - Cros mit Neoprensocken - einweihen. Nur wo geht es am besten durch das kalte, schnell strömende Wasser? Soll ich nach oben oder unten am Fluss entlang gehen? Im Tal mäandern die Flüsse häufig und teilen sich in einfacher zu querende Arme auf. Dagegen ist oben die Strömung größer, aber weniger Wasser im Fluss, wenn es gelingt die Zuflüsse zu überschreiten. Ich schaue nach unten und nach oben. Und versuche mein Glück weiter oben.

Ganz offensichtlich bin ich nicht die erste, die am Ufer entlang läuft. Nach einem halben Kilometer kommt auf 800 m Höhe eine Stelle die mir aus einem Reisebericht bekannt vor kommt. Es sieht machbar aus. Oder gibt es noch etwas Besseres? Ich gehe weiter hoch und der Fluss wird schmaler und schmaler, aber ehe es richtig gut wird, kommt der Schnee dazu. Ich drehe wieder um und probiere es an der ersten Stelle. Der Rákkasjåhkå ist hier etwas breiter und eine kleine Insel in der Mitte erleichtert den Übergang. Ich probiere es erstmal ohne Rucksack und suche eine gute Route zwischen den Steinen. Die Querung ist kein Problem und schwupp-di-wupp bin ich auch mit meinem Rucksack drüben.

Nahe der Kisuriskåtan

Blick Richtung Niják und RuohtesvággeBlick Richtung Niják und Ruohtesvágge

Ich gehe weiter der Konturlinie folgend Richtung Niják. Vielleicht erreiche ich heute den Sarek noch. Ein kleines Schneefeld versperrt mir den Weg. Ich schaue es mir etwas genauer an. Es sieht harmlos aus, aber der Schnee ist sehr weich und versteckt riesige Felsblöcke unter sich. Der Schnee trägt nicht und so muss ich herumlaufen. Nach weiteren drei Kilometern kreuze ich auf Höhe der Kisuriskåtan einen kleinen Bach. Es ist halb sieben und einen schönen Platz mit Aussicht für das Zelt gibt es auch. Feierabend für heute. Ich esse nach Gewicht und entscheide mich deshalb für rote Linsen mit Karotten und Lamm. Wieder ein paar Gramm weniger im Rucksack. Der Himmel ist inzwischen bedeckt. Am Padjelantaleden regnet es sogar. Hoffentlich ist es morgen trocken.

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