Durch den Stora Sjöfallet und Sarek Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in Schwedisch Lappland - Teil 1: Sarek

1-4: Hamburg · Norrköping · Stockholm · Gällivare · Ritsem

Anreise

Vogelfluglinie

Für die Reise nach Schweden hatte ich eine Mitfahrgelegenheit nach Norrköping. Dazu fuhr ich mit dem Zug nach Hamburg. Und von dort mit meinen Eltern im Auto über die Vogelfluglinie von Puttgarden nach Rødby in Dänemark. Der Vorteil der Vogelfluglinie ist, dass nicht vorgebucht werden muss und die Wartezeit gering ist. Die dänischen Reisenden nutzen den zollfreien Einkauf an Bord und schleppen das Bier palettenweise aus dem Laden. Mit meinen Eltern auf der Fähre nach Schweden, das ist wie eine kurze Zeitreise in die Kindheit.

Die 40 min Fährzeit gehen schnell vorbei und schon sind wir wieder auf der Straße unterwegs nach Helsingør. Von dort ist es mit der Fähre ins schwedische Helsingborg nur ein Katzensprung. Die E4 führt uns nach Norden. Ziel ist ein Campingplatz in Norrköping. Wir landen in Himmelstalunds Camping ruhig gelegen zwischen einem riesigen Sportkomplex und dem Motala ström.

Norrköping

Felszeichnungen HimmelstalundFelszeichnungen Himmelstalund

Da mein Zug erst am Sonntag fährt, haben wir den Sonnabend Zeit die Stadt zu erkunden. Vom Campingplatz Himmelstalund lässt sich die Innenstadt gut zu Fuß erreichen. Wir queren den Motala Ström und stoßen auf einen rätselhaften Wegweiser. Dieser zeigt zwar in die andere Richtung, aber auf einen nahen Steinhügel. Unsere Neugierde ist geweckt und so gelangen wir über den schmalen Pfad eher zufällig zur größten Attraktion von Norrköping, einer ganzen Ansammlung von Felszeichnungen aus der Bronzezeit.

Ehemalige Industriebauten am Motala strömEhemalige Industriebauten am Motala ström

Nächstes Ziel ist die Altstadt von Norrköping. Außerdem wollen wir noch die Parkplätze am Bahnhof inspizieren, damit wir wissen wo ich morgen am besten abgesetzt werden kann. Wir folgen den Motala Ström flussabwärts. Wir queren den Folkparken. Hier warnen Schilder vor tieffliegenden Frisbeescheiben. Das ist das einzige was wir von den gerade ausgetragenen Weltmeisterschaften mitbekommen. Es dauert nicht lange und wir gelangen in des alte industrielle Zentrum der Stadt. Alte Fabrikgebäude der Textilindustrie säumen das Flussufer. In den modernisierten Gebäuden haben heute die Universität und einige Museen ihren Platz gefunden. Durch das alte Quartier Knäppingsborg und die Altstadt gelangen wir zum Bahnhof.

Nach einem Blick zum Himmel beschließen wir zurück zum Arbeitsmuseum zu gehen. Im dortigen Café stärken wir uns, während der Regen an die Scheibe klopft. Im ebenfalls kostenlosen Stadtmuseum werden neben der Stadtgeschichte, alte Handwerksberufe dargestellt und etliche Textilmaschinen sind zu begutachten.

Nachtzug Stockholm - Gällivare

Schlafwagenabteil im NachtzugSchlafwagenabteil im Nachtzug

Am nächsten Tag fahre ich mit dem Snälltåget nach Stockholm. Der Zug hat etwas Verspätung und stellt sich als Nachtzug zwischen Berlin und Stockholm heraus. In Stockholm habe ich drei Stunden bis der Nachtzug in den Norden abfährt. Ich schließe meinen Rucksack ein, mache einen kleinen Spaziergang und kaufe mir am Ende noch ein Taschenbuch.

Für den Nachtzug habe ich ein Bett im Schlafwagen gebucht. Ich habe das Bett ganz oben. Die Schaffnerin eröffnet mir, dass meine beiden Mitreisenden erst in der Nacht zusteigen werden. Ich verstaue meine Sachen oben im Gepäckkorb um im engen Abteil Platz zu schaffen. Als ich ins Bett gehe baue ich noch die Betten und hoffe auf eine ruhige Nacht. Der Wunsch wird erfüllt. Zwar werde ich kurz wach als beide zusteigen, aber es kehrt schnell Ruhe ein.

Am Morgen erfahre ich, das meine beiden Mitreisenden zum Gipfel des Kebnekaise wollen. Wenn das Wetter mitspielt, denn die Vorhersage sieht leider nicht so gut aus. Und auch ich bin gespannt wie es im Sarek aussieht. Der Winter hielt sich dieses Jahr lange und Anfang Juli gab es Täler mit geschlossener Schneedecke. In Gällevare verlasse ich den Nachtzug. Es nieselt.

Bus Gällivare - Ritsem

Der Bus der Linie 93 steht vorm Bahnhof bereit und sogleich bildet sich eine Traube um die Gepäckfächer. Es sind nur wenige Plätze frei als wir unsere gemächliche Fahrt ins Fjäll starten. Ich hoffe der Regen lässt während der dreieinhalb-stündigen Fahrt nach. Es geht durch unbewohntes Waldgebiet. Als wir das östliche Ende des Stausees erreichen beginnt es richtig zu regnen. An der Haltestelle Stora Sjöfallet haben nur wenige Lust den Bus für eine kurze Pause zu verlassen. Will ich wirklich bei so einem Wolkenbruch los wandern?

Ritsem

MS Storlule am Anleger in RitsemMS Storlule am Anleger in Ritsem

In Ritsem ist es trocken und am Himmel gibt es sogar ein kleines blaues Loch. Der Bus hält direkt am Bootsanleger bevor er die letzten Meter zur Ritsem Fjällstuga fährt. Voller Erwartung strömen wir zum Anleger. Und auch wenn der Kaffee im Bordkiosk schon gekocht wird, das Boot fährt nicht. Zuviel Wind, ein Anlegen in Änonjálmme ist aufgrund des Wellengangs auf dem Akkajaure nicht möglich. Es wird fleißig mit der anderen Seite telefoniert und per Smartphone die Windvorhersage konsultiert - dann der Entscheid - abends um 7 sollen wir wieder kommen. Vielleicht geht es dann. Für 450Sek kann man auch per Helikopter auf die andere Seeseite übersetzen. Die Mehrheit entscheidet sich fürs Warten in der Fjällstuga.

Ich inspiziere den kleinen Laden und stelle erleichtert fest, dass ich mit dem Angebot meine Vorräte auffrischen kann, falls ich wirklich in ein paar Wochen hier wieder ankommen sollte. Ich treffe Elmar aus dem heimischen Nachbartal und ebenfalls mit Ziel Sarek. Und Jana mit Familie, die den Padjelantleden gehen wollen. Wir trinken Kaffee und schlagen zusammen die Zeit tot.

Kurz nach 18:00 Uhr macht sich unsere kleine Schicksalsgemeinschaft auf den Weg zum Boot. Der Rucksack ist schon verdammt schwer. Ob wir in Änonjálmme anlegen können steht nicht fest, aber der Kapitän will sein Bestes geben und es versuchen. Der Halt in Vájsáluokta muss auf alle Fälle ausfallen.