Hardangervidda-Querung

Trekkingtour über die Hardangervidda von Haukeliseter nach Finse

8. Tag: Anhöhe beim Sandvatnet · Hårteigen · Torehytten

Torehytten

Auch an diesem Tag stürmt es. Der Regen lässt dagegen im Laufe des Vormittags nach. Vom Hårteigen sehe ich nichts, so tief hängen die Wolken. Noch einen Tag auf meiner stürmischen Aussichtsterasse ohne Aussicht möchte ich nicht haben. Ich beschliesse zu Torehytten zu gehen und packe schliesslich ein. Es stürmt so sehr, das ich das Zelt zwar mit einiger Mühe, aber doch fast trocken zusammenlegen kann.

Schnee-Abbruchkante am FlussSchnee-Abbruchkante am Fluss

Ich steige um kurz nach zwölf hinab zum Weg. Kaum bin ich im Windschatten des nächsten Hügels ist es deutlich wärmer. Der Weg läuft nun im Flussbett entlang. Der aufgetürmte Schnee ist auf der anderen Seite zum Teil weggeschmolzen und wirkt wie die Abbruchkante eines Geltschers. Als ich schon denke ich muss durch das Wasser, sehe ich die Wegmarkierung, die den Hang hoch vom Wasserlauf weg führt. Sowie ich aus dem Windschatten komme pfeift der Wind mir wieder um die Ohren. Um mich herum ist alles grau. Von der wunderschönen Landschaft ist nichts zu sehen geschweige zu erahnen.

Die Wolken hängen tiefDie Wolken hängen tief

Ich passiere den Fuss des Hårteigen. Alles was ich sehen kann ist die untere Rinne, durch die der Aufstieg erfolgt. Es liegt noch sehr viel Altschnee und es ist steil. Ansonsten geht es steile Felswände hoch, die in den Wolken verschwinden. Am nördlichen Ende verzweigt sich der Weg. Nach Nordosten führt der Hauptweg nach Hadlaskard. Ich folge dem Weg zur Torehytten nach Westen. Es geht bergab und über eine sehr freie Ebene. Es nieselt inzwischen wieder und die Tropfen kommen senkrecht von vorne.

Blick zur Torehytten am Øvsta SoltjørniBlick zur Torehytten am Øvsta Soltjørni

Schliesslich kommen die Torehytten am Øvsta Soltjørni in Sicht. Zuvor muss ich jedoch noch den Seeabfluss zum Nedsta Soltjørni queren. Ein Felsbrocken liegt in der Mitte und ich sehe eine Leiter. Dorthin führt der Pfad über ein abhängendes Schneefeld. An Ausrutschen denke ich mit aller Konzentration lieber nicht, sonst sehe ich mich schon tief unten im Wasser liegen. Ausrutschen tue ich dann kurz vor der Leiter. Die Felsen sind rutschig und dazwischen fliesst das Wasser. Schwupp liege ich. Trocken, aber unter mir plätschert das Wasser. Es ist zum Glück nichts passiert, aber das Aufstehen gestaltet sich schwierig, schliesslich will ich den Rucksack nicht doch noch im Wasser versenken. Anschliessend geht es die wackelige Leiter hoch. Über ein weiteres Schneefeld komme ich aus dem Canyon wieder raus.

Ich passiere die kleinere Hütte. Sie ist voll belegt und erinnert mich eher an eine gut geheizte Sauna. In der grossen Haupthytte empfängt mich Irene, die in den Semesterfereien einige Wochen als Hyttevakt tätig ist. Im Laufe des Nachmittags treffen weitere Wanderer ein. Ich nutze die Gelegenheit und lasse mir Tipps für meine weitere Route geben. Das Wetter soll eigentlich wieder besser werden, aber so genau weiss es keiner. Ich habe immer noch mehr Tage als Weg vor mir. Ich entschliesse mich von hier nach Nordwesten weiter zu wandern und dann in einer Schleife nach Hedlo zu gelangen. Je nachdem wie das Wetter wird, kann ich die Grösse der Scheife noch ändern.

In der Hütte wird auch Proviant verkauft. Wer etwas braucht nimmt es aus dem Schrank und schreibt es auf den Meldebogen. Zusammen mit der Übernachtung wird es später von Oslo aus in Rechnung gestellt. Die Rechnungsstellung kann etwas dauern. Bei mir kam die Rechnung erst Anfang Dezember per Email an. Die Bezahlung per Kreditkarte war problemlos.

Die Hütten sind schon gut belegt, als es noch mal zusammenrücken heisst, eine ganze DNT Gruppe ist im Anmarsch. Auch einige Zelter übernachten an der Hütte. Kaum sind die Schlafplätze verteilt, wird durch die Ankunft einer Familie noch einmal alles durcheinander gewirbelt. Kinder haben Vorrang, aber es gibt genügend Reservematratzen und so wird der Gemeinschaftsraum zum Schlafraum umfunktioniert.

Profil

Torehytten

Lage: Hardangervidda, am Øvre Solvatnet

Lat/Long: 60°12'41"N, 7°2'5"E

Anzahl Betten: 24

Proviantverkauf: ja (Selbstversorger)

Betreiber: DNT - Den Norske Turistforening