Padjelanta Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 2: Padjelantaleden

23. Tag: Plateau an der Westflanke des Njunjesvárre · Basseuksa · Tarrekaise Hütte · Abzweigung nach Pieskehaure · kurz vor Såmmarlappa am Tarraätno

Am Tarraätno entlang bis kurz vor Såmmarlappa

Der blaue Himmel ist durch eine Wolkendecke verdeckt. Zumindest in Kvikkjokk ist es hell. Der Wind kommt von Osten und so hoffe ich, dass die Wolken vertrieben werden und der helle Fleck näher kommt. Um 10:00 Uhr habe ich alles eingepackt und mache mich auf den Weg zur STF Tarrekaise Fjällstuga.

Als erstes quere ich das kleine Plateau an der Westflanke des Njunjesvárre. Bretterwege erleichtern die Querung von Feuchtwiesen. Dann geht es wieder abwärts zum Ufer des Tarraätno. Zuvor bietet sich aber ein Blick hinab zur Stromschnelle Njoammelgårttje und bis weit hinauf ins Tal.

Opferplatz BasseuksaOpferplatz Basseuksa

Am Ufer des Sees Luoppal gibt es einige gute Zeltplätze. Vom Weg aus ist eine markante Felsformation neben einem Wasserfall zu sehen. Es sieht so aus, als sei in der Felswand eine Öffnung. Das Tor im Fels ist einer der bekanntesten Opferplätze der Sami in Schweden. Der Name Basseuksa bedeutet "heilige Tür" und beschreibt das Aussehen wie ich finde sehr treffend.

Ich komme gut voran und erreiche nach gut drei Stunden die Tarrekaise Hütte. Diese bietet auch eine kleine Butik. Die Hütten stehen auf einer Wiese direkt am Tarraure-See. Es ist Mittags und kein Mensch zu sehen und so gehe ich ohne einen Blick ins Angebot weiter.

STF Fjällstuga Tarrekaise
STF Fjällstuga Tarrekaise

Ich wandere weiter durch den Birkenwald. Unten am Fluss ist es sumpfig, deshalb führt der schmale Weg auf einer Anhöhe entlang. Als ich mit dem Wanderstock aus Versehen gegen einen Stein schlage bricht etwas große braunes durch das Unterholz und verschwindet schneller als ich gucken kann. Ich sehe nur einen großen braunen Hintern. Was war das? Dann sehe ich zwei Augen, die mich durch die Bäume anschauen. Ein zweiter Elch beobachtet mich. Als ich meine Kamera herauskrame wird es ihm zu unheimlich und er folgt lieber dem ersten und verschwindet aus meinem Sichtfeld.

Abzweigung nach Pieskehaure

Um 14:20 Uhr erreiche ich die Abzweigung nach Pieskehaure. Noch ein kleines Stückchen und die erste Watstelle des Tages steht an. In einem breiten Kiesbett fließt der Fluss aus der Schlucht Bádurgårsså Richtung Tarraätno. Auf der Ostseite gibt es schöne Plätze zum Zelten und ich mache erst mal Pause. Es weht ein kühler Wind, aber im Liegen lässt es sich im weichen Heidekraut gut aushalten.

Nach einer Stunde gehe ich weiter und beginne die Geröllwüste zu queren. Das Plätschern wird lauter und dann treffe ich auf den Fluss. Watschuhe oder nicht? Ich bin zu faul um mich umziehen und versuche es erfolgreich über die wackeligen Steine. Ich bin mal wieder für meine Trekkingstöcke dankbar.

AlpenschneehuhnAlpenschneehuhn

Als ich das Flussbett verlasse werde ich auf ein Schneehuhn im Sommerkleid aufmerksam. Ich möchte es fotografieren aber es hat etwas dagegen und versteckt sich hinter einer Birke. Scheu ist es nicht wirklich. Ich gehe linksrum, das Hühnchen auch. Ich gehe rechtsrum, der blöde Vogel auch. Wir tanzen eine Weile um den Baum bis ich die Nase voll habe und das Federvieh einfach durch den Baum ablichte.

Der Weg führt nun durch Feuchtwiesen. Auch hier sind Bretterwege angelegt, so dass es sich gut gehen lässt. Das Tal wird enger und richtige Zeltplätze sind im Birkenwald keine zu finden. Aus lauter Verzweiflung haben die ersten ihr Zelt direkt an den Weg gestellt. Ein kleiner Bach fließt fast durchs Vorzelt.

AbendstimmungAbendstimmung
Müde Wanderer kommen mir entgegen. Auch ich bin müde und Såmmarlappa kommt irgendwie nicht näher. Ich bin auch schon drauf und dran mein Zelt im hohen Gestrüpp aufzustellen, als ich an das Ufer des Tarraätno komme. Ich erblicke eine Feuerstelle und weiß sofort, das ist mein Platz für heute Nacht, auch wenn es etwas abschüssig ist.

Zum Abendessen koche ich Shrimps mit Brokkoli und Reis. Der Schnellreis braucht wenig Brennstoff, aber schmeckt wie Knüppel auf den Kopf. Dazu schwirren die Mücken, so dass ich mich schnell ins Zelt verkrieche. Kurz nach 21:00 gehe ich noch den Weg etwas auf und ab um die Abendstimmung aufzunehmen. Die Berge und Wolken sind stimmungsvoll angestrahlt. Ohne Sonne ist es jedoch recht kühl und so verschwinde ich schnell im Schlafsack.