Padjelanta Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 2: Padjelantaleden

26. Tag: Gårråjávrátja · Tuottarstugorna · Bållávrjåhkå

Vom Gårråjávrátja zur Brücke über den Bållávrjåhkå

Nach der ersten nicht so guten Woche im Sarek bin ich nun mit guten Wetter gesegnet. Wieder weckt mich die Sonne und es wird im Zelt schnell warm. Gemütlich stehe ich auf. Nach drei Wochen hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Ich koche Wasser für Tee und in der Zwischenzeit beginne ich die ersten Sachen einzupacken. Da ich kein Müsli mehr habe, besteht Frühstück aus Knäckebrot, Fruchtsuppe als heiße Tasse oder wie heute dem restlichen glödkaka. Nach dem Frühstücke packe ich den Schlafsack und dann kommt alles in den Rucksack. Zum Schluss kommt das inzwischen trockene Zelt hinein. So kann ich es schnell aufbauen, ohne den ganzen Rucksack auspacken zu müssen. Als Tagesziel habe ich mir die Sommerbrücke Bållávrjåhkå auf der Karte ausgeguckt. Danach ist auf rund drei Kilometer eine dichte Vegetation eingezeichnet.

Goldregenpfeifer (Ljungpipare)Goldregenpfeifer (Ljungpipare)

Ich will schon los wandern, als mir der Sinn nach einem Foto kommt. Die Sonne steht nun anders als am Abend und ich gehe noch einmal auf die kleine Erhebung hinter mir. Diesmal ich gehe links um eine Felsplatte und nicht rechts wie am Vortag. Wenige Schritte später stolpere quasi über ein wunderschönes Rentiergeweih. Es liegt einfach nur da und wartet auch mich. Soll ich es auch noch mitnehmen? Schließlich habe ich schon Funde, nur nicht so schöne. Ich packe es ein und vertage die Entscheidung, welches der anderen Exemplare ich zurücklasse auf den Abend. Nur das Foto habe ich vergessen zu machen.

Die Tuaottahütten

Tuottarstugorna am TsiekkimjávrreTuottarstugorna am Tsiekkimjávrre

An den Tuaottahütten ist noch reger Betrieb. Es herrscht Aufbruchstimmung. Bei der Hüttenwartin frage ich nach Tubenkäse, sie hat leider nur Schokolade. Dafür bekomme ich einen Tipp wie ich die nächste Furtstelle umgehen kann. Der Abfluss des Duottarjávrre zum Tsiekkimjávrre ist zwar breit, aber nicht sehr tief. Ich verzichte auf den Umweg. Auch wenn einige Steine unter der Wasseroberfläche liegen, komme ich balancierend mit trockenen Wanderschuhen auf die andere Seite. Es sind nur wenige Meter bis der Abfluss des Tsiekkimjávrre gequert werden muss. Hier fließt deutlich mehr Wasser und so kommen die Crocs wieder zum Einsatz.

Wenig später kommt mir ein älterer Schwede entgegen. Er wandert diesen Weg schon das dritte mal, weil es hier so schön ist. Ich bin auch richtig froh, dass ich mich auf den Weg gemacht habe. Die Landschaft ist einfach schön.

Am Rådokjåhkå

Am Råtokjåkkå entlangAm Råtokjåkkå entlang

Über Gras bewachsene Hügel schlängelt sich der Wanderweg. Immer wieder gibt es kleine Zuflüsse des Rådokjåhkå zu Queren. Damit ich vorwärts komme setze ich mir weiterhin Ziele in der Landschaft. Ich erkore eine Erhebung für die Mittagspause aus. Bevor ich das Ziel erreiche meldet sich der Magen. Das Frühstück ohne Müsli ist einfach nicht reichhaltig genug. Ich greife zu einer kleinen Tüte Paranüsse und versuche diese aus der Verpackung zu bekommen. Da sind ja nicht viel drin, denke ich. Kein Wunder, denn die Tüte hat ein Loch auf der anderen Seite. Hinter mir findet sich eine "Hänsel und Gretel"-Nussspur. Den Weg zurück muss ich mir nicht merken und sammele die Nüsse wieder ein.

Verfallene Kote am Ufer des RåtokjåkkåVerfallene Kote am Ufer des Råtokjåkkå

Ich erreiche die Erhebung unweit einer verfallen Kåta. Sie steht auf der anderen Flussseite des Rådokjåhkå nahe eines Wasserfalls und ist noch gut als Kåta zu erkennen. Ich genieße die Aussicht und lasse es mir gut gehen. Ein paar Schweden kommen vorbei und erkundigen ob man von hier oben die Kåta sehen kann. Ich bestätige und geben ihnen den Tipp für den besten Blick etwas weiter zu gehen. Alle machen ein Foto und entschwinden wieder in der Landschaft.

Gut gelaunt gehe ich den Padjelantaleden weiter. Ich treffe auf eine ältere Dame aus Dänemark, die auf einem Stein sitzt und eine Pause eingelegt hat. Ich setzte mich dazu und wir unterhalten uns. Sie wandert seit vielen Jahren hier und kommt heute von der Sommerbrücke über den Bållávrjåhkå. Heute Morgen kam ein Hubschrauber und hat Männer gebracht, die die große Hängebrücke abmontiert haben. Ich bekomme schon einen Schrecken. Aber dann erzählt sie mir von einer zweiten Behelfsbrücke. Gut zelten kann man dort auch. Wir verabschieden uns und jeder geht seinen Weg.

Ein weiterer Wanderer mit Tagesrucksack kommt mir entgegen. Er fragt mich, ob man an der Hütte denn etwas zu Essen kaufen kann. Manche Leute sind wirklich gut vorbereitet. Zumindest gibt es Schokolade beruhige ich ihn. Er scheint nicht sehr begeistert zu sein.

Sommerbrücke am Bållávrjåhkå

FeuchtwiesenFeuchtwiesen

Ich passiere den See Lettijárásj und treffe schließlich auf die Route, welche am Fuße des Jungátjåhkå direkt von Tarraluoppal her kommt. Die Wiesen werden durch Heide und Krähenbeeren abgelöst. Der Padjelantaleden ist hier mehr eine schmale Rinne, die in der Mitte tiefer und zum Rand hin erhöht ist. Auf Dauer strengt es mich an immer zwanghaft auf schrägen Grund zu gehen. Ich gehe etwas querfeldein. Der Boden ist unter den Sträuchern uneben und steinig, aber die Abwechselung in der Belastung tut meinen Gelenken gut. Immer nach einem schönen Platz Ausschau haltend nähere ich mich der Sommerbrücke über den Bållávrjåhkå.

BållávrjåhkåBållávrjåhkå

Die Männer sind noch da und warten nach getaner Arbeit auf den Hubschrauber. Ich treffe auf Sylvia, die auf mich gewartet hat. Seit dem ersten Tag wandern wir die gleiche Strecke. Morgens passiere ich ihren Zeltplatz und abends sie meinen. Nur heute nicht, da habe ich zu sehr gebummelt. Wir machen zusammen eine keine Pause. Es ist das letzte Mal das wir uns sehen. Ich suche mir westlich der Brücke auf einer der Terrassen einen Zeltplatz und sie will noch bis Stáloluokta, von wo sie morgen ein Hubschrauber abholt.