Padjelanta Nationalpark

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 2: Padjelantaleden

24. Tag: Såmmarlappa · Padjelanta · am Ufer des Buokkekjågåsj

Von Såmmarlappa zum Buokkekjågåsj im Padjelanta

Die Sonne scheint am Morgen. Leider steht mein Zelt im Schatten und so dauert es bis es trocken ist. Die ersten Wanderer, die die Nacht an der Såmmarlappa Stuga verbracht haben, kommen vorbei. Mit einem Schweden fach simpel ich etwas über mein Zelt. Exped kennen viele, jedoch nur als Hersteller der Luftmatratze mit Daunenfüllung und nicht von Zelten. Die Luftmatratzen scheinen in Skandinavien sehr beliebt zu sein.

Um viertel nach zehn komme ich los und lege mich nach wenigen Metern erst mal auf die Nase. Die Holzbretter sind mit einem Wasserfilm bedeckt und damit sehr rutschig. Eine Unachtsamkeit und schon sitze ich auf dem Hintern. Um wieder auf die Beine zu kommen muss ich mich in die Feuchtwiese rollen. Nun bin ich richtig wach.

STF Fjällstuga SåmmarlappaSTF Fjällstuga Såmmarlappa

Nach einer halben Stunde erreiche ich die STF Fjällstuga Såmmarlappa. Der Platz ist still und wirkt ausgestorben. Es scheinen alle ausgeflogen. Der Zeltplatz liegt flussabwärts und ist nicht einsehbar, soll aber sehr schön sein. Der Weg führt nun über Feuchtwiesen. Holzbretter erleichtern das Queren. Nach einer halben Stunde passiere ich Holmboms källa. In der Kaltquelle sollen sich auch gerne Saiblinge tummeln. Ich entdecke keine.

Bei strahlend blauem Himmel gehe ich weiter durch das Tal des Tarraätno. Vom Fluss selber sehe ich nicht viel. Dafür gibt es die artenreichen Feuchtwiesen zu bewundern. Geflecktes Knabenkraut entdecke ich und auch der Karlszepter steht kurz vor dem Blühen.

SperbereuleSperbereule

Kurz vor der Nationalparkgrenze erregt ein Fipsen meine Aufmerksamkeit, als ich über eine Lichtung gehen will. Es kommt von links und nach einiger Suche entdecke ich einen Vogel im Birkenwald. Es ist eine junge Sperbereule, die gerade ihre Beute frisst. Ein Stück weiter sitzt ein weiteres Exemplar und schaut mich neugierig von seinem Hochsitz an. Dann werde ich ihm aber doch zu unheimlich und er fliegt davon.

Padjelanta Nationalpark

Um 13:00 erreiche ich die Brücke über den Fluss aus dem Slihtavágge. Auf der anderen Seite geht es ein paar Meter steil bergauf und dann bin ich im Padjelanta Nationalpark. Vor mir erstreckt sich eine große baumfreie Ebene. Auf der Westseite erhebt sich der Gárddevárre mit seiner steilen Flanke. Die Berge auf der Ostseite sind sanfter. Ein kräftiger Wind weht durch das Tal. Ich suche mir einen sonnigen Platz mit Windschatten und lasse mich für eine Pause nieder.

Padjelantaleden im TarradalenPadjelantaleden im Tarradalen

Nach einer halben Stunde schultere ich wieder meinen Rucksack und wandere weiter. Ich quere die Ebene. Auf der anderen Seite erwarten mich lichte Birkenwäldchen, durch die der Weg führt. Ein Birkenpilz erregt meine Aufmerksamkeit. Am Kungsleden hatten die Pilze reichlich tierisches Innenleben. Soll ich es noch einmal versuchen? Ich stelle den Rucksack ab und finde sogleich einen weiteres vielversprechendes Exemplar. Nicht zu groß und offensichtlich nicht angefressen. Der Stiel ist madenfrei. Es dauert nicht lange und ich habe drei weitere Birkenpilze gefunden. Es reicht für eine leckere Vorspeise.

Tarraätno im TarradalenTarraätno im Tarradalen

Der Wald wird dichter und es geht wieder bergan. Ich komme an den Wohnplatz der Pilto-Familie, die hier früher von Mai bis November mit ihren Rentieren im Tal wohnte. Der Platz vom Ziegenstall lässt sich erahnen und der Ausblick geht weit zurück, von wo ich gekommen bin. Der Weg führt weiter an der Flanke eines Berges entlang. Es geht auf und ab. Langsam nähere ich mich dem ersten Fluss von dreien, die ich als mögliche Übernachtungsplätze auserkoren habe.

Ich sehe schon von Weiten eine Feuerstelle auf einem Hügel. Dort angekommen verlasse ich den Weg und erklimme die kleine Anhöhe. Oben finde ich einen möglichen Zeltplatz vor. Ich schaue noch direkt am Flussufer des Buokkekjågåsj, aber dort ist es nicht besser. Nach den Erfahrungen vom Vortag will ich kein Risiko eingehen. Rund 12 Kilometer sind für heute genug. Ich gehe also zurück und baue das Zelt auf. Der Wind sorgt für einen mückenfreien Nachmittag. Zum Abendessen schlemme ich: Birkenpilze zur Vorspeise, dann Sauerkraut mit Kassler und Kartoffelpüree und zum Dessert noch einen Schokopudding mit Birne. Es kann mir nicht besser gehen.