Kungsleden

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 3: Kungsleden

33. Tag: Teusajaure · Kaitumjaure · Stuor-Jiertá

Nach Kaitumjaure und drüber hinaus

Strahlend blauer Himmel erwartet mich am Morgen. Ein weiter schöner Tag steht mir bevor. Wie immer frühstücke ich gemütlich und packe anschließend ein. Um 9:30 bin ich fertig. Ich steige zum Kungsleden herab und setzen meinen Weg Richtung Norden fort. Es geht noch ein ganze Stück bergan hinauf auf die weite Hochebene Muorki. Auch wenn ich weiter mein Durchschnittstempo gehe, habe ich das Gefühl, nicht richtig in den Tritt zu kommen.

Nach einer Stunde ist der höchste Punkt des seichten Sattels zwischen dem Urttičohkka und dem Kårsatjåkka erreicht. Endlich geht es abwärts, hinab ins Tal des Kaitumjåkka. Nach einer weiteren Stunde erreiche ich das Ufer des breiten mäandernden Flusses. Zwischen Weg und Fluss steht ein Renntierzaun. Erst kurz vor der Brücke kann ich ihn durch ein Gatter passieren. Wie immer ist die Brücke dort aufgebaut, wo der Untergrund solide ist und eine möglichst geringe Breite zu überwinden ist. Deshalb rauscht auch hier das Wasser direkt unter der stabilen aber schwankenden Brücke in die Tiefe.

An der Kaitumjaure-Hütte treffe ich auf Hüttenwartin Anita, welche im Vorjahr an der Tjäktjastugan tätig war. Auch hier gibt es Preiselbeersaft zur Begrüßung. Ich kaufe Blaubeersuppe, Tubenkäse und Nudeln im kleinen Hüttenladen. Anita gibt sich alle Mühe mir einen schönen Platz am Padje Kaitumjaure als Zeltplatz anzupreisen. Es ist erst 14:00. Trotz blauen Himmels türmen sich die ersten Wolken in der Ferne auf und kündigen unweigerlich das schlechte Wetter an. Und so wandere ich schweren Herzens weiter. Der Weg führt von hier an durch das Tjäktjavagge.

Unweit der Hütte stoße ich auf die ersten reifen Blaubeeren des Sommers. Ich muss zwar etwas aussuchen, aber ich komme schnell auf zwei volle Hände. Auf dem Weiterweg freue ich mich schon aufs Dessert heute Abend - Vanillesoße mit frischen Blaubeeren. Der Tjäktjajåkka fliesst in einiger Entfernung vom Pfad. Offene Flächen wechseln sich mit Fjällbirkenwald ab. Mein nächstes Etappenziel ist die Brücke, über den Tjäktjajåkka.

Nach rund einer Stunde erblicke ich sie. Vor mir erheben sich der Stuor Avrrik am westlichen Ufer und der Stuor-Jiertá auf der östlichen Seite. Beim abendlichen Kartenstudium hatte ich mir die östliche Seite von der Brücke als möglichen Übernachtungsplatz ins Auge gefasst. Nun macht mich der Platz nicht so an. Laut Karte kommen von nun an einige seitliche Bäche, die mir das nötige Frischwasser liefern sollten. Beim Anblick des Tjäktjajåkka muss ich unweigerlich an die Waschstelle an der Sälka-Hütte denken. Dieses Wasser landet auch hier und somit schließe ich den breiten Fluss für mich als Trinkwasser aus.

Der Kungsleden führt nun direkt am Flussufer entlang durch eine baumlose Heidelandschaft. Der erste Bach kommt aus dem breiten Gávgulvággi. Das Wasser strömt kaum und Algen fühlen sich auch pudelwohl. Auf der Fläche vor mir steht eine verfallene Kote, an der die Bauweise noch sehr gut zu erkennen ist. Das weiße Holz steht dabei wie ein Skelett in der Landschaft.

Das Tal verengt sich und wird durch die steile Ostwand des Stuor Avrrik dramatischer. Ich erreiche den Fuß des Stuor-Jiertá. Die Bäche sind hier überraschender Weise trocken. Ich wandere also weiter und treffe auf andere Wanderer, die von Norden kommen und mich nach Trinkwasser fragen. Es wird also erstmal nicht besser. Um 18:00 erreiche ich die Abzweigung zum Láddjuvággi. Der Weg führt südlich des Unna Jierttáš entlang und ich spare mir so 2,5 Kilometer gegenüber den Weg über die Singi-Hütte.

Wenig später höre ich es zwischen Weidengestrüpp kräftig plätschern. Ich gehe ein Stück zurück, wo ich im Heidekraut einen Zeltplatz mit Blick auf den Tjäktjajåkka finde. Nach einem langen Tag fällt die Essenswahl nicht schwer. Pasta und zum Nachtisch Vanillesoße mit Blaubeeren. Um kurz vor 20:00 steht das Zelt im Schatten und es wird schnell kalt. Ich verkrümelt mich in meinen warmen Schlafsack.

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