Kungsleden

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 3: Kungsleden

32. Tag: Vakkotavare · Teusajaure

Von Vakkovatare auf dem Kungsleden nach Norden

Es ist sonnig. Ich frühstücke, packe meinen Rucksack und mache mit dem schwedischen Ehepaar, mit denen ich das Zimmer geteilt hatte, das Zimmer sauber. Um 9:00 steht eine größere Gruppe vor der Ristem-Hütte und wartet auf den Bus nach Gällivare. Ich fahre nur eine kurze Strecke am Stausee entlang bis nach den Vakkotavare. Rund 50 Minuten soll die Fahrt dauern. Der Bus hat einige Probleme mit der Tür und so verzögert sich die Abfahrt etwas.

Kurz nach 10:00 erreichen wir Vakkotavare. Rechts von der Straße befindet sich ein Parkplatz und links, bereits in Hanglage, die Vakkotavare-Hütte. Es geht also gleich in den steilen Anstieg. Zuvor inspiziere ich auf der Suche nach Tee noch das Angebot in der Hütte. Eigentlich soll es Proviant geben, aber das Angebot ist mehr auf ausgehungerte Wanderer zurück in der Zivilisation angelegt. Softdrinks in Hülle und Fülle. Der Hüttenwart ist gerade erst angefangen und zusammen schauen wir noch die zurückgelassenen Lebensmittel an. Sehr interessant was da so gibt. Als Kaffeetrinker wäre ich nun gut versorgt, aber Tee ist keiner da.

Um 10:30 mache ich mich auf den Weg. Direkt hinter der Hütte beginnt der Anstieg. Auf den ersten 1.5 Kilometern geht es 700 Höhenmeter hoch. Der Rucksack ist wieder gut gefüllt und entsprechend schwer. An einem rauschen Bach entlang und an verlockenden Blaubeeren vorbei, windet sich der Weg an oben. Die Sonne scheint und der Bach rauscht immer tiefer in einer Klamm - unerreichbar. Nach einer Stunde habe ich das schlimmste Stück geschafft. Eine Hochebene öffnet sich vor mir. Auch wenn es weiterhin leicht bergan geht, komme ich nun deutlich besser voran.

Mir kommen die ersten Wanderer entgegen. An einem See mit Bach mache ich eine Pause. Bei strahlend blauen Himmel verlockt die schöne Aussicht bis zu den Bergen des Sareks zum länger verweilen. Ich möchte jedoch das gute Wetter nutzen und die nächsten drei Tage möglichst weit kommen. Bis zum 17:00 möchte ich zudem am Teusajaure sein um das Motorboot über den See zu nehmen. Es gibt zwar auch Ruderboote und der Tag ist windstill, aber etwas Luxus kann ich mir schon mal gönnen.

Nach 8 Kilometern erreiche ich den Sattel zwischen Varátjåhkkå und Ráhpattjårrohabe und damit den höchsten Punkt des Tages. Ich blicke noch einmal zurück zu den Bergen des Sarekjåhkkå-Massiv und dem Áhkká. Mit jedem Schritt hinab ins Tal des Teusajaure entschwinden sie Stück für Stück aus meinem Sichtfeld.

Bevor es richtig steil bergab geht, gilt es einen Fluss zu queren. Neben einer Watstelle gibt es auch eine komfortable Sommerbrücke. Diese liebt jedoch ein ganzes Stück flussabwärts und nach der Überquerung soll ich wieder bergauf gehen. Ich kürze ab und gehen querfeldein bis ich wieder auf dem Kungsleden komme. Von der Sommerbrücke sind es noch rund 4 Kilometern und 300 Höhenmeter, die es abwärts geht.

Um 16:45 erreiche ich den spiegelglatten Teusajaure. Es ist niemand weiteres da. Ich hisse den Plastikkanister am Steg als Signal das ich abgeholt werden möchte und warte auf die Dinge, die da hoffentlich kommen. Kurz nach fünf kommt langsam Bewegung auf der anderen Seite. Es dauert noch etwas bis der Hüttenwart mich abholt. Er hatte gehofft, dass noch jemand anderes kommt, aber ich bin die Einzigste. Und dann will ich noch nicht einmal bei ihm übernachten, sondern noch den nächsten Anstieg überwinden.

Ich bezahle und mach mich an den letzten Kilometer des Tages. Es geht also noch einmal richtig steil bergan. Mir kommen Wanderer entgegen, die mich erst irritiert anschauen und dann fragen, ob am See denn keine Hütte sei. Nach rund einer Stunde habe ich die 200 Höhenmeter hinter mich gebracht und bin oberhalb der Baumgrenze. Wie erhofft führt der kleine Fluss Wasser. Ich verlasse den Weg und orientiere mich nach rechts. Kleine Terrassen versprechen eine ebene Fläche für mein Zelt. Nach einigen hin und her finde ich etwas Trockenes. Wenig später steht das Zelt und das Teewasser kocht. Auf dem Speiseplan steht heute Hühnchen mit Mandelreis.