Kungsleden

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 3: Kungsleden

41. Tag: Alisjávri · Rádujávri · Miesákjávri · Gárddenvággi · Brücke über Šiellajohka

Am Alisjávri, Rádujávri und Miesákjávri entlang

In der Nacht ist es eiskalt. Bisher war mein Schlafsack immer warm genug, aber diese Nacht friere ich in den frühen Morgenstunden. Nebel liegt über dem See Alisjávri und das Wasser in meinem Trinkschlauch ist gefroren. Aber die Sonne scheint und es verspricht wieder ein schöner Tag zu werden. Ich bin nur noch zwei Tagesetappen von Abisko entfernt, habe aber noch vier Tage bis mein Zug in Abisko abfährt. Da man im Abisko Nationalpark nur an der Absikojaure-Hütte und am Rastplatz am Nissonjohka zelten darf, will ich heute nur bis kurz vor die Nationalparkgrenze wandern. Ist das Wetter morgen gut, plane ich einen Abstecher zum Tältlägret am Ballinjohka um dort noch einmal zu übernachten.

Um kurz vor 9:00 lichtet sich der Nebel über dem Alisjávri und die Schwaden verschwinden innerhalb kürzester Zeit. Ich gehe den Tag gemütlich an. Gegen halb elf wandere ich bei strahlend blauen Himmel los. Der Kungsleden führt am Seeufer des Alisjávri entlang. Nach anderthalb Stunden erreiche ich das Nordende des Alisjávri. Hier gibt es einen Warteplatz für das Motorboot, mit dem sich in der Hauptsaison die Etappe von Abiskojaure nach Alesjaure abkürzen lässt. Nun ist der Platz verwaist. Hier am ca 50 Meter breiten Abfluss des Alisjávri ist in der Karte eine Furt eingezeichnet. Rund 300 Meter weiter beginnt bereits der nächste See, der Rádujávri. Ich schaue mir die Stelle an und finde es doch recht viel Wasser, aber wahrscheinlich würde es irgendwie gehen. Grosse Steine und dazwischen tiefe Löcher machen das Ganze aber schwierig.

Der Kungsleden verlässt nun die Ufernähe und verläuft etwas weiter oben im Gelände. Zwischen Weidenbüschen kann man die tiefen aufwühlenden Spuren von Kettenfahrzeugen sehen, mit denen die Hütten zum Winterende beliefert werden. Als ich den Miesákjávri erreiche mache ich auf einen Felsen Mittagspause. Immer noch ist kaum ein Wölkchen am Himmel.

Kaum gehe ich weiter, werde ich von einem jungen Mann überholt, welcher mich auf norwegisch anspricht. Als er mich auf Englisch noch einmal fragt, wie lange ich schon unterwegs sei. Fast sechs Wochen antworte ich. Er schaut mich überrascht an und fragt lieber noch einmal nach. Schnell kommt raus, dass er schon sechs Monate unterwegs ist und zum Nordkap möchte. Wir unterhalten uns und da er noch keine Pause gemacht hatte komme ich so zu einer zweiten Pause. Es ist interessant. Ob sechs Wochen oder Monate, wir scheinen doch sehr ähnliche Erkenntnisse mit nach Hause nehmen.

Inzwischen haben wir die Seen verlassen und sind ins Gárddenvággi gewandert. Hier zwischen dem Gárddenvárri und dem Šiellanjunni ist das Gelände schräg und lässt kein Zelten zu. Von Osten kommt der Šiellajohka und fliesst am Fusse des Giron entlang.

Vor der Brücke über den Šiellajohka will ich nach einem Übernachtungsplatz suchen. Es führen einige Trampelpfade nach links ins Gestrüpp. Auf den ersten Blick ist niemand da und so verabschiede ich mit von meinem Begleiter. Plätze gibt es einigem aber leider ist der Boden durch Feuerstellen so verschmutzt, dass ich mein Zelt dort nicht aufstellen mag. Ich werde dann doch noch fündig und habe sogar etwas Aussicht. Ich steige für das Trinkwasser zum Šiellajohka herab. Langsam verdichten sich die Schäfchenwolken und kündigen schlechteres Wetter an. Mal sehen wie es morgen ist.

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