Kungsleden

Sechswöchige Wildniswanderung in schwedisch Lappland - Teil 3: Kungsleden

40. Tag: Tjäktjapass · Tjäktjahütte · Alesjaure-Hütten · Alisvággi

Über den Tjäktjapass durch das Alisvággi

In der Nacht ist es eiskalt. Dafür regnet es nicht mehr. Als ich aus dem Zelt schaue traue ich meinen Augen nicht. Nur etwa 100 Höhenmeter höher liegt der erste Schnee wie Puderzucker auf den Felsen. Die Sonne kommt langsam durch. Es verspricht mal wieder ein richtig schöner Tag zu werden. Ich verabschiede mich mit einem letzen Blick nach Süden und wandere die letzten Hundert Höhenmeter zur Schutzhütte am Tjäktjapass hoch. Es ist niemand da. Von nun an geht es bergab. Obwohl es bereits Anfang September ist, liegt noch Altschnee vom letzten Winter an einigen Stellen. Ein kleines Plateau mit Steinen gilt es zu queren. Das Vorankommen wird durch Betterstege erleichtert.

Mir kommt eine Wanderin mit Tagesrucksack entgegen. Wie sich heraus stellt handelt es sich um die Hüttenwartin der Tjäktjahütte. Wir unterhalten uns etwas. Sie will zur Schutzhütte um nach dem Rechten zu sehen. Da bereits bald die ersten Gäste an der Tjäktjahütte eintreffen muss sie sich nun etwas beeilen. Wir verabschieden uns und als ich mich der Tjäktjahütte nähere, stehen auch schon die ersten Wanderer da und schauen erwartungvoll zu mir rüber. Nur komme ich nicht über die Brücke, sondern passiere die Hütte einfach.

Beim Abstieg ins Alisvággi sehe ich in der Ferne noch einmal Renntiere. Der Kungsleden führt über Wiesen und an kleinen Seen vorbei. Inzwischen scheint die Sonne und es ist angenehm warm. Es sind heute deutlich mehr Wanderer unterwegs. Jetzt um die Mittagszeit machen viele Pause und die Kocher surren. Zum Bossosváráš steigt der Weg noch einmal an. Ich hatte es als recht flach in Erinnerung und nun strengt mich auf einmal eine seichte Steigung von 50 Höhenmeter an. Sachen gibt es.

Nun geht es wieder leicht abwärts. Nächstes markantes Ziel ist die Brücke über den Bossosjohka. Am nördlichen Ufer zweigt die Route ins Visttasvággi ab. Der Track ist gut zu erkennen. Dies wäre mein Preis gewesen, wenn ich so wie ursprünglich geplant gewandert wäre. Bereut habe ich meine Entscheidung jedoch nicht. Das schlechte Wetter der letzten Tage drückte schon auf die Stimmung und nach fünf Wochen ist der Hunger nach weiteren Abenteuern bei mir für dieses Jahr gestillt.

Ich nähere mich den Alesjaure-Hütten. Hier will ich noch einmal für die verbleibenen Tage einkaufen. Direkt bei der Hütte ist auch die grosse Hängebrücke über den breiten Aliseatnu. Zuvor kommen mir drei Montainbiker entgegen, die ganz selbstverständich erwarten, dass ich auf dem schmalen Track zur Seite springe. Im kleinen, gut ausgestatteten Laden, bekomme ich endlich ein ganzes Paket Schwarztee und nicht nur einzel abgezählte Teebeutel. Spagetti und Brot benötige ich noch. Als Belag entscheide ich mich für Tubenkäse und Schokolade darf es auch noch sein. Der Wetterbericht verspricht noch ein zwei tage gutes Wetter und dann soll es wieder regnen.

Die Beine sind zwar schon etwas müde, aber ich habe mich so an mein Zelt gewöhnt, das ich noch etwas weiter gehe. Aus dem Vorjahr weiss ich, dass es mit Trinkwasser nicht immer einfach war, aber ich bin optimistisch etwas zu finden. Nach nur zwei Kilometern finde ich einen schönen Platz am Ufer des Flusses, der vom kleinen See Čoalmmeriehpe jávrráš kommt. Ich stelle das Zelt mit Blick auf den Alisjávri auf. Nach 21 Kilometern schmecken die Spagetti mit Tomatensosse und Walnüssen besonders gut.

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