Jotunheimen

Grosse Jotunheimen-Runde

7/8: Leirtjønne · Skauta · Skauthøe · Blick zum Galdhøpiggen · Visdalen · Spiterstulen · Hellstugu

Abstieg ins Visdalen

Die Nacht war ruhig, nur ab und zu nieselte es. Die Skauta rauscht deutlich lauter als am Vortag. Ich muss heute ans andere Ufer, mir schwant nichts Gutes. Um 8 Uhr stehe ich auf, frühstücke und packe meine Sachen ein. Das Zelt ist fast trocken. Um 9:15 komme ich los. Über dem unteren Visdalen scheint die Sonne.

Watstelle an der SkautaWatstelle an der Skauta

Die Skauta hat deutlich mehr Wasser und so versuche ich es gar nicht schon hier den Fluss zu queren, sondern gehe am Ufer flussabwärts. Der kleine See auf 1509 ist nach dem Starkregen deutlich angestiegen. Das kann ja heiter werden. Es dauert nicht lange und ich komme auf den markierten Weg. Dieser führt mich zum offiziellen Furtplatz. Über Felsen geht es zuerst auf eine Insel. Soweit so gut. Von dort weiter ans andere Ufer, aber irgendwie ist an den Markierungen ziemlich viel Wasser. Wenn man neben die Felsblöcke tritt, ist das Wasser gleich recht tief. Rund 100 Meter weiter abwärts liegen deutlich mehr dieser Felsen im Fluss. Wasser ist kaum zu sehen und so versuche ich dort mein Glück. Im Zickzack erreiche ich sicher und trocken das andere Ufer.

Der Weg führt nun am Skauthøe entlang. Vor mir sehe ich den Styggebrean-Gletscher am Galdhøpiggen, dessen Gipfel in den Wolken ist. Zwei Wanderer versuchen weiter flussabwärts die Skauta zu queren um zum Steindalen/Glittertinden zu kommen. Die ersten Versuche werden abgebrochen. Als sie aus meinem Blickfeld verschwinden, schaffen sie es dann doch noch, denn ich sehe sie später im Anstieg zum Steindalen.

Der Gipfel des Galdhøpiggen liegt in den WolkenDer Gipfel des Galdhøpiggen liegt in den Wolken

Vor mir ist das Wetter weiter wechselhaft. Ich hoffe immer noch, das ich den Gipfel des Galdhøpiggen zu sehen bekomme. Viel fehlt nicht, aber die letzten Meter wollen einfach nicht frei werden. Die Spitzen Svellnose und Keilhaus topp sind zu sehen und der Hauptgipfel ist von einer Wolke umgeben. Der kleine Bach vom See 1603 am Skauthøe führt auch ordentlich Wasser, stellt aber kein Hindernis da. Eine Wasseramsel posiert auf einem Stein und lässt sich bereitwillig fotografieren.

Abstieg ins VisdalenAbstieg ins Visdalen

Kurz vorm Skautkampan treffe ich auf Rentiere. Sie äsen in einer Senke. Als ich stehen bleibe bewegen sie sich lieber weg. Vor mir liegt nun der Abstieg ins Visdalen. Gegenüber thront der Galdhøpiggen noch immer mit dem Gipfel in den Wolken. Aus dem Visdalen kommt ein kalter Wind. Rund 350 Meter geht es auf den nächsten zwei Kilometern hinab bis zur geteerten Mautstrasse nach Spiterstulen. Schnell spüre ich meine Knie und von vorne bläst der eiskalte Wind direkt ins Gesicht. Die Straße kommt nur langsam näher. Nach 90 Minuten bin ich endlich unten.

Auf der Straße geht es schneller und den Kilometer nach Spiterstulen lege ich in 15 Minuten zurück. Ich gehe über den Parkplatz und passiere das Gehöft mit Übernachtungsmöglichkeit und Campingplatz. Zu spät fällt mir ein, dass ich doch meinen Müll hätte entsorgen können. Auch hier gilt, Zelten in der direkten Nähe (Umkreis 1 km) ist nicht erlaubt.

Entlang der Visa westlich von SpiterstulenEntlang der Visa westlich von Spiterstulen

Der ausgetretene Weg führt an der Visa entlang. Heidekraut, Feuchtwiesen und niedrige Weidenbüsche wechseln sich ab. Noch immer weht ein kalter Wind durch das Tal. Morgen ist mit Wind und Regen zu rechnen. Ich benötige also wieder einen trockenen und möglichst windgeschützten Zeltplatz. Ich mache eine Pause und blicke auf die Karte. Bis nach Hellstugu möchte ich eigentlich kommen. Dort ist das Tal etwas breiter und ich erhoffe mir Zeltmöglichkeiten.

Der Weg steigt langsam an. Es gibt auch immer wieder Zeltmöglichkeiten. Als ich das Tverråe-Tal passiert habe hört der Wind mit einem Schlag auf. Weit vor mir hängt schon die ganze Zeit eine Wolke tief im Tal und umgibt den Store Urdadalstinden. Der Seitenbach Leirgrove führt reichlich Wasser und es dauert etwas, bis ich eine Stelle zum Queren gefunden habe. Zwischen Weidenbüschen ist der Abstand so schmal, dass ich mit einem großen Schritt rüber komme. Der zweite Arm ist kein Hindernis.

Brücke über den HellstuguåeBrücke über den Hellstuguåe

Wenig später erreiche ich den Hellstuguåe. Ich schaue mich bereits vorher nach einem Zeltplatz um, aber es ist feucht, steinig oder windanfällig. Ich stehe schließlich vor der hohen Holzbrücke, welche über den ersten Arm des Hellstuguåe führt. Die Rampe dürfte 45° Grad haben und ich bin froh das es ein paar Querleisten gibt um hinauf zu kommen. Und das es auf der anderen Seite nicht so steil runter geht.

Von der Brücke sah es so aus, als sei der Boden am Ufer der Visa nicht nur eben, sondern teilweise auch mit Heidekraut bewachsen, was auf Trockenheit hinweist. Ich scheine immer noch im Windschatten der umgebenden Berge zu sein. Vor mir droht immer noch die fette Regenwolke. Es ist erst 15 Uhr, ein bisschen früh, aber was soll's. Lieber einen guten Platz und etwas kürzer gehen, als nichts Gutes mehr finden. Ich baue das Zelt auf und koche eine Nudelsuppe als verspätetes Mittagessen. Während es flussabwärts immer mal wieder aufhellt, bleibt die Regenwolke fester Bestandteil in der anderen Richtung. Zum Abend gönne ich mir Pasta mit Lachs.

Regentag am Hellstuguåe

Für heute ist Regen und Wind angesagt. Die Nacht war ruhig, aber um 9:00 fängt es an zu schütten und hört erst um 14:00 Uhr das erste Mal wieder auf. "Heavy rain and strong winds" war die Wettervorhersage und die trifft absolut zu. Im Laufe des Tages nimmt der Wind auch zu und rüttelt am Zelt. Zum Glück kommt er weiterhin von hinten und hat nicht die Richtung geändert.

Ich beginne den Tag mit Grießbrei. Eigentlich ist Rührei mein Schlechtwetteressen und das gibt es zum zweiten Frühstück. Was soll ich auch anderes machen, wenn es draußen Bindfäden regnet. So im trockenen Zelt verweichlicht man auch etwas. Um 13:00 Uhr queren Wanderer mit leichten Gepäck die Holzbrücke. Anschließen posieren sie mit Hund für ein Erinnerungsfoto im strömenden Regen. Es kommen am Nachmittag einige Wanderer vorbei, welche Richtung Spiterstulen gehen.

Rentiere beim queren der HellstuguåeRentiere beim queren der Hellstuguåe

Endlich lässt der Regen etwas nach. Ich öffne den Reißverschluss meines Zeltes und schrecke vier Rentiere auf, welche unweit stehen. Dieses grüne Ungetüm macht komische Geräusche und ist ihnen nicht so ganz geheuer. Sie bewegen sich Richtung Mündung des Hellstuguåe und befinden sich damit in einer Sackgasse. Außer sie gehen durchs Wasser. Das Leittier entschließt sich genau dafür. Ich greife meine Kamera und stehe auf. Das erste Rentier ist schnell drüben. Das grummelige Wasser ist recht tief und der Fluss durch den Regen angeschwollen. Das Kalb geht als letztes und verschwindet bis zur Nasenspitze im eiskalten Nass. Auf der anderen Seite schütteln sie sich wie Hunde und beäugen mich und das Zelt. Als wollen sie sagen was war das denn. Wenig später äsen sie und lassen sich durch mein Zelt nicht mehr stören. Nur das Kalb schaut immer wieder entrüstet und denkt wohl deinetwegen musste ich ein Vollbad nehmen. Weiter oben im Hang entdecke ich weitere Tiere.

Hellstuguhøe und Hellstugu-Tal mit dem Store MemurutindenHellstuguhøe und Hellstugu-Tal mit dem Store Memurutinden

Um 16:00 steigen drei Personen aus dem Hellstugu-Tal herab. Sie sind mit Hochtourenausrüstung unterwegs. Entweder sind sie durch die Wolken über die Gletscher gekommen oder sie kommen zurück von einer Gipfeltour zum Store Memurutinden. Bei besseren Wetter hatte ich einen Abstecher in das Tal ins Auge gefasst, aber so macht es mir keinen Spaß. Während es weiter nördlich über den Visdalen aufhellt, hängen hier weiter die Regenwolken im Tal. Um halb acht reißt der Himmel plötzlich auf und östlich des Galdhøpiggen verspricht blauer Himmel besseres Wetter. Der Wind dagegen frischt auf. In der Nacht muss ich noch Steine suchen, um die Heringe der hinteren Abspannleine am heraus fliegen zu hindern. Danach ist Ruhe.

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