Jotunheimen

Grosse Jotunheimen-Runde

15. Tag: Memurutunga-Ebene · Lågtungetjønne · Memurudalen

Über die Memurutunga-Ebene ins Memurudalen

Ich wache auf, als die Sonne aufs Zelt scheint. Es ist 7:00 Uhr und die Welt um mich herum sieht immer noch weiß aus, aber wirkt gleich weniger bedrohlich. Ich lasse mich etwas aufwärmen. Um 8 Uhr schaufele ich das Zelt und die Heringe frei. Das Zelt ist heute auch innen durch das Kondenswasser feucht, da es durch die Schneewände nicht so gut belüftet wurde.

Der Weg ist nicht einfach erkennenDer Weg ist nicht einfach erkennen

Ich habe die Wahl zwischen 4 Kilometern über die verschneite Memurutunga-Ebene zum Hauptweg zwischen Gjendebu und Memurubu oder abzusteigen und zurück durch das Storådalen nach Gjendebu zu gehen. Dort müsste ich dann über den steilen Aufstieg wieder auf die Memurutunga-Ebene kraxeln oder mit dem Schiff über den See fahren. Wirklich gewonnen habe ich mit der zweiten Lösung nichts. Also weiter über das Plateau? Selbst wenn ich für einen Kilometer durch den Schnee eine Stunde bräuchte, wäre ich am späten Mittag auf dem Hauptweg. Ich entschließe mich es zu versuchen.

Um 10 Uhr komme ich los. Eine Wolke zieht bedrohlich auf, aber dahinter scheint schon wieder die Sonne. Es lässt sich gut auf dem Schnee gehen. Er ist hoch genug, so dass kleine Unebenheiten geschluckt werden und noch nicht tief genug, dass es zu anstrengend wird. Leider sind die Wegmarkierungen von meiner Seite aus alle zugeschneit, so dass ich nicht nach leuchtenden roten "T"s suchen kann, sondern nach merkwürdig aufgerichteten Steinen Ausschau halten muss.

Rentiere auf der Memurutunga-EbeneRentiere auf der Memurutunga-Ebene

Ich komme trotz Steinmännchen und Wegsuche gut voran. Nach einer halben Stunde stoße ich auf Tierspuren im Schnee. Die Spur folgt dem Weg. Ist das der Hund von gestern oder doch ein Fuchs? Menschliche Spuren gibt es jedenfalls keine. Ich passiere eine Herde Rentieren, die im Schnee nach freßbaren wühlen. Sie lassen sich nicht stören. Die Männchen und Weibchen lassen sich bereits gut am Geweih unterscheiden. Während die männlichen Rentiere ihr Geweih im Herbst verlieren, verlieren die Weibchen es erst im Frühjahr. Einige der Tiere haben bereits keinen Bast mehr am Geweih. Das dürften die Männchen sein.

Ich komme gut voran und habe nach 90 Minuten bereits 2,5 Kilometer zurückgelegt. Ich stelle meinen Rucksack auf einem Felsen ab und mache eine kleine Pause. Während ich da so in der Sonne stehe und einen Müsliriegel knabber fliegen plötzlich zwei Schneehühner vorbei. Ich habe keine große Zeit mich zu wunder, da ertönt auch schon ein Husten und ein junger Norweger erscheint auf der Bildfläche. Er schaut mich genauso erstaunt an wie ich ihn. Ab nun habe ich auch noch Fußspuren die mir den Weg verraten.

Am GjendeseeAm Gjendesee

Das Plateau ist trotz Schnee leicht zu queren. Die hügelige Landschaft ist abwechslungsreich und bietet immer wieder Ausblicke auf die umgebenden Berge. Wolken ziehen auf, tauchen alles in ein mystische Licht und verschwinden gleich wieder. Nach der Karte habe ich Gjendebu bereits passiert, allerdings liegt es irgendwo weit unter mir. Der Weg nähert sich nun der Steilwand zum Gjende-See. Ich kann nun bis zum türkisfarbenen Wasser herabschauen. Wenig später kann ich das schneefreie Veslådalen entlang schauen. Nach Osten kommt der schneebedeckte Veslfjellet und Besseggengrad ins Sicht.

Wanderer oberhalb Bukkelægret am Gjende-SeeWanderer oberhalb Bukkelægret am Gjende-See

Nach einer Stunde erreiche ich den Hauptweg von Gjendebu nach Memurubu. Es sieht so aus als stehen einige Wanderer direkt am Abgrund, so steil geht es dort herunter. Ich folge für den nächsten Kilometer den Weg Richtung Memurubu und habe die letzten Höhenmeter durch den Schnee vor mir. Der Weg ist jedoch bereits von den vielen Wanderern frei getreten. Beim Abstieg zu einem kleinen See kommt mir mitten im Steilstück eine Gruppe entgegen. Statt zu warten, dass ich den Weg frei mache, stürmt die erste wild drauf los. Da ich mich aber nicht in Luft auflösen kann steht die halbe Gruppe wenig später ratlos in einer Sackgasse. Die letzten sehen schon recht erschöpft aus und sind nun die ersten. Ich schicke sie da hoch wo ich runter gekommen bin, während vorne immer noch ein Weg gesucht wird. Ich kann nur den Kopf schütteln. Und wie ich wenig später bemerke, bin ich nicht alleine, eine größere Gruppe Senioren schaut von unten ebenfalls verwundert zu.

LangtjørniLangtjørni

Wenig später ist der Grund schneefrei. Ich erreiche die Abzweigung zum Memurudalen. Während die meißten weiter über das Plateau gehen und Lågtunga und Sjugurdtinden auf der Route nach Memurubu passieren führt dieser Weg durch das Memurudalen nach Memurubu. Vor allem, wenn man vorher noch zelten möchte biete sich diese Route durch Tal an. Ich gehe mit etwas Abstand am Lågtungetjønne entlang. An dessen Abfluss entlang führt der Weg ins Tal. Es ist erst kurz vor zwei Uhr und ich will das schöne Wetter nutzen um noch eine längere Pause zu machen. Als ich so nach einem schönen Platz Ausschau halte, entdecke ich noch einmal Rentiere. Bevor sie jedoch näher kommen können, werden sie von einem Hund aufgescheucht. Der Border Collie will einfach nicht hören und es dauert bis er zurück kommt. Es laufen einige Männer mit Hütehund herum und ich habe den Eindruck, das sie jemanden (vermutlich ein Tier) suchen.

MemurudalenMemurudalen

Kurz vorm Abstieg finde ich einen netten Mittagsplatz. Ich hole den Kocher heraus und koche Wasser für meine Instant-Nudeln. Natürlich kocht das Wasser gerade, als die Sonne hinter einer Wolke verschwindet. Sofort ist es kalt. Und so wird die Pause kürzer als geplant. Bevor ich ganz auskühle packe ich ein und gehe weiter. Rund 150 Höhenmeter muss ich nun ins Memurudalen absteigen. Ich habe einen schönen Blick auf die umgebenden Berge und Gletscher. Unten im Tal mäandert die Muru, in dessen Verlauf ich nun irgendwo einen Zeltplatz finden will. Wie immer so dicht wie möglich und so weit weg wie nötig von der nächsten Hütte Memurubu.

An der MuruAn der Muru

Ich wandere entlang der Muru und halte meine Augen für einen Zeltplatz offen. So richtig überzeugen tut mich keine der Stellen. Eine schöne Grasfläche ist zu dicht am Fluss, andere abschüssig oder zu windanfällig. Rund drei Kilometer vor dem Gjende-See finde ich einen Platz. Zwar sehr dicht am Pfad, aber der Flecken ist eben und hat genügend Windschutz. Da ich nicht weiß ob es noch bessere Gelegenheiten gibt, baue ich das Zelt auf. Ich hoffe es kommen nicht mehr viele vorbei.

Gegen Abend ziehen Wolken auf. Im rauschenden Gletscherfluss poltern die Steine und ich höre irgendwie Stimmen. Die Stimmen kommen mir komisch vor und als ich aus dem Zelt schaue zieht auf der anderen Flussseite eine Wandererkarawane vorbei. Es will gar nicht aufhören. Sie alle waren wohl auf dem Gipfel des Surtningssue und sind nun auf dem Rückweg zu Memurubu.

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