Jotunheimen

Grosse Jotunheimen-Runde

4. Tag: Russvatnet · Sommerbrücke über den Tjønnholåe · Blåtjønnholet · Pass zwischen Vestre und Austre Hestlægerhøe · DNT-Hütte Glitterheim · Veodalen

Vom Russvatnet zum Veodalen

So wie der Tag aufgehört hat beginnt er auch, ich höre das Motorboot wieder ans Seeende fahren. Die Nacht war kühl und irgendwie kann ich mich nicht aufraffen den warmen Schlafsack zu verlassen. Dabei scheint inzwischen die Sonne und trocknet fleißig mein Zelt. Zum Frühstück gibt es heute Süßkartoffel mit Apfelmus, Zimt und Mandeln. Nachdem ich zufällig auf das Rezept gestoßen bin und nicht jeden Tag Müsli essen mag, will ich es während der Tour als Alternative ausprobieren. Über Nacht habe ich die Süßkartoffel-Stückchen zusammen mit dem Apfelmus in Wasser einweichen lassen. Auch wenn ich es kalt essen kann, wärme ich die Mischung auf und koche auch gleich einen Topf Tee. Ein bisschen weihnachtlich, aber gar nicht so schlecht.

Morgenstimmung am RussvatnetMorgenstimmung am Russvatnet

Der Platz am See ist einfach schön und so komme ich trotz des guten Wetters erst um 10:15 los. Der Weg folgt noch mehrere hundert Meter dem Seeufer und steigt dann am Delta des Tjønnholåe an. Die Querung erfolgt anderthalb Kilometer weiter oben in der engen Schlucht. Vorbei an Schafen folgt der Weg dem Ufer aufwärts. Viel Geröll ist zusehen und etwas Rauschen zu hören, ansonsten wirken die Arme doch recht trocken. Nach 45 Minuten stehe ich vor der luftigen Sommerbrücke.

Sommerbrücke über den TjønnholåeSommerbrücke über den Tjønnholåe

Etwas abenteuerlich das Ganze. Die Sommerbrücke erinnert eher an eine Hängematte, in der ein paar Paletten liegen. Auf meiner Seite ist erst einmal eine Lücke zu überwinden und die erste Palette liegt recht schräg. Tief untern rauscht das Wasser. Mit einem großen Schritt bin ich auf der Palette, welche sich unter der Last noch schräger stellt. Ich hänge mehr im Netz als ich stehe. Ab der nächsten Palette geht es besser und ich erreiche sich das andere Ufer. Bei einem Knäckebrot schweift der Blick über den Russvatnet. Im Osten kann ich nun bis ins grüne Tal Nedre Russglopet am westlichen Ende des Sees schauen.

Der Weg geht noch etwas leicht bergan und folgt dann den Konturlinien an der Südflanke des Austre Hestlægerhøe. Noch immer gibt es Blaubeeren und Heidekraut zwischen den Steinen, die jedoch mit jedem Höhenmeter zu nehmen. Bei einer kleinen Pause komme ich mit einem Wanderer ins Gespräch, der von Hütte zu Hütte geht. Er hat nicht so wirklich Verständnis, dass ich das Wandern mit Zelt, dem der Hüttenübernachtung vorziehe und verabschiedet sich mit den Worten seine Kreditkarte sei leichter. Nur das Erlebnis, wenn dir ein Rentier ins Zelt schaut, das kann man mit der Karte nicht kaufen.

An einer verblockten Stelle komme ich vom Weg ab und folge falschen Steinmännchen ohne rote T-Markierung. Als der Track nach unten führt, kommt es mir komisch vor. Diese Spur scheint zur Sommerbrücke über den Blåtjønnåe zu führen. Dort will ich aber nicht hin. Ich sehe zwar keine Steinmännchen oberhalb im Hang, aber dort müsste der richtige Weg sein. Über Grasmatten steige ich auf. Ich stöbere eine paar Schafe auf und nach rund 20 Höhenmetern treffe ich wieder auf den ausgetretenen Pfad nach Glitterheim.

Blick über die Hochebene Blåtjønnholet zum BlåbreanBlick über die Hochebene Blåtjønnholet zum Blåbrean

Der Weg schwenkt nun in die karge Hochebene Blåtjønnholet ein. Er führt weiterhin an der Konturlinie des Austre Hestlægerhøe entlang und damit ist die Steigung weiterhin nur leicht. Bei guten Wetter mit nur wenigen Wolken am Himmel habe ich einen freien Blick zum Gletscher Blåbrean auf der anderen Seite der Ebene. Trotz der vielen Steine kann man gut gehen. Schließlich schwenkt der Weg etwas nach Osten in den Anstieg auf den Pass zwischen Vestre und Austre Hestlægerhøe ein. Wirklich steil sieht es nicht aus, dabei liegen noch 100 Höhenmeter vor mir.

Pass zwischen Vestre und Austre HestlægerhøePass zwischen Vestre und Austre Hestlægerhøe

An ein paar Schafen vorbei nähere ich mich einem Geröllfeld. Ich befürchte schon das Schlimmste, als der Track die Richtung ändert. Zwar wird es auch hier steinig, aber über ein Felsband geht es steil, aber leicht zugehen, nach oben. Wenig später stehe ich auf 1680 m und blicke hinüber zum zweithöchsten Berg Skandinaviens, dem 2457m hohen Glittertinden, und ins Veodalen. Weiter westlich ist der markante Gipfel des Ryggjehøe zu sehen, an dessen Fuß ich morgen durch das enge Veslglupen-Tal gehen möchte. Bis zum Grund des Veodalen sind es 300 Höhenmeter abwärts. Ich kann bereits die DNT-Hütte Glitterheim am Ufer des Veo sehen. Entweder davor oder danach möchte ich heute zelten. Bis dahin gibt es aber noch viele weitere Steine zu überwinden.

Glittertinden und RyggjehøeGlittertinden und Ryggjehøe

Nachdem ich die Aussicht etwas genossen habe, beginne ich mit dem Abstieg. Kleine Wasserläufe bilden schließlich den Hestbekken, an dessen Ufer es abwärts geht. Langsam erobert das Grün wieder den Boden, aber zum Zelten ist es immer noch zu steinig und steil. Ich merke meine Knie und bin froh als der Weg nach Osten schwenkt.

Nach einem Kilometer erreiche ich das Ufer des Veo. Eine rund 25 Meter lange Brücke führt ans andere Ufer des Flusses. Auf dieser Seite darf man noch kostenlos Zelten, die andere Seite gehört bereits zum DNT-Hütte. Zeltmöglichkeiten gibt es einige, aber so dicht an einer Hütte zelte ich in der Regel nicht. Das Veodalen ist recht grün und so will ich noch dichter an den Veobrean heran. Morgen steht die Querung der steinigen Hochebene Skautflye an. Und die will ich nicht bereits müde beginnen.

VeobreanVeobrean

Es ist 17:30 als ich die Glitterheim-Hütte passiere. Sie ist mit dem Fahrrad erreichbar und es herrscht für einen Dienstag ein reges Treiben. Über Bretter und Steine quere ich die Steinbuelve. Noch etwas trinken und dann verschwinden die Gebäude mit jedem Schritt hinter mir. Ich komme gut voran. Nach rund einer Stunde schwenke ich hinter einer Kuppe vom Weg ab und gehe Richtung Veo. Der Fluss liegt 20 Meter unter mir als ich auf eine schöne ebene Fläche treffe. Windgeschützt scheint sie auch zu sein. Und so baue ich mein Zelt mit schönen Blick auf den Veobrean auf.

Nach 15 Kilometern bin ich hungrig. Die Wahl fällt auf Pasta mit Tomate und Walnüssen. Außerdem gönne ich mir einen Cappuccino und einen großen obligatorischen Topf Tee. Um kurz nach 21 Uhr geht die Sonne unter und strahlt die Wolkenbänder über den Veobrean an. Ein schöner Tag geht zu Ende.

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