Durch die Täler bei Abisko

Zweiwöchige Trekkingtour durch Schwedisch-Lappland

13/14: Godujohka · Fantomenfallet · Alisjávri · Alesjaurestugorna · Čoalmminjira

Zum Fantomenfallet und am Alisjávri entlang

In der Nacht stürmt es so sehr, dass die Heringe heraus fliegen. Ich beschwere sie schließlich erfolgreich mit Steinen, trotzdem schlafe ich schlecht. Wechselnde Winde sorgen dafür, dass der Zeltstoff im Wind laut flattert. Dafür regnet es nicht mehr, die Wolken sind hoch und ein kleines Stück blauer Himmel am Morgen macht Hoffnung auf besseres Wetter.

Zeltplatz am Ufer des GodujohkaZeltplatz am Ufer des Godujohka

Aber statt Sonne verdunkelt sich der Himmel. Also, ein schnelles Frühstück mit Knäckebrot und das Zelt bekomme ich noch trocken eingepackt. Das Wasser ist heute Morgen deutlich niedriger und so kann ich trotz milchigem Gletscherwasser den Grund und vor allem die Steine sehen. Ohne Problem komme ich ans andere Ufer. Der Wind weht kalt, als ich in meine Wanderschuhe wechsele. Zumindest sind die Füße nun warm. Ich folge den Steinmännchen durch unübersichtliches Gelände.

Blick zur Halbinsel zwischen Rádujávri und AlisjávriBlick zur Halbinsel zwischen Rádujávri und Alisjávri

Es geht etwas hoch über eine Landzunge und dann komme ich aus dem Windschatten des Njuikkostakbákti heraus. Der Wind pfeift mir ins Gesicht, die Hände werden schnell kalt. Auf schönen ebenen Heideflächen könnte man gut zelten, aber bei dem Wind bin ich nun froh gestern am Godujohka geblieben zu sein. Ich erreiche das Nordende des Alisjávri. Am gegenüberliegenden Ufer ist die Anlegestelle für das Boot nach Alesjaure. Der Fährdienst ist bereits eingestellt. Eine Wandergruppe ist früh in Abiskojaure gestartet und macht dort im Windschatten Pause.

Aufstieg zum FantomenfalletAufstieg zum Fantomenfallet

Da ich Zeit habe, habe ich mir heute vorgenommen einen Abstecher zum Fantomenfallet zu machen. Vom Weg soll dieser Wasserfall nicht zu sehen sein. Ich muss also am Fluss aus dem Njuikkostakvággi aufwärts gehen und hoffe insgeheim auf einen Pfad. Nördlich der beiden kleinen Seen stehe ich plötzlich vor einem Fluss, der mir den Weg versperrt. Der breite, auch mit Schneescootern benutze Weg, führt durch Weidengestrüpp zu einer Furt. Nicht schon wieder nasse Füße. Der Zufluss fließt über eine kleine Felsstufe und nachdem ich etwas zurück gegangen bin, stoße ich auf Wegmarkierungen und einen Pfad genau dort hin. Nachdem ich nicht unterhalb dieses kleinen Wasserfalls trockenen Fußes kreuzen kann, erklimme ich die Stufe und erblicke einen großen Wasserfall - das müsste Fantomenfallet sein. Im Windschatten setzte ich mich hin und esse eine Kleinigkeit. Ein Blick auf die Karte und ich bin mir sicher, dieser Wasserfall kommt aus dem Njuikkostakvággi und das Tauchbecken ist nicht einsehbar, sondern irgendwo hinter Felsen.

FantomenfalletFantomenfallet

Ich gehe die rund 500 Meter mit vollem Gepäck. Der Fluss teilt sich in mehrere Arme. Der Hauptarm fließt nach Süden und ist in der Karte eingezeichnet. Ich wandere an meinem Arm entlang nach oben. Teilweise sind die anderen Arme über das Ufer getreten und fluten die Grasflächen. Schließlich erreicht ich den Wasserfall. Hinter dem Fantomenfallet soll sich eine Grotte (Fantomengrottan) befinden, die man betreten kann und dem Wasserfall den Namen gab. Die Grotte scheint wirklich ein Phantom zu sein und mir sieht es nicht so vielversprechend aus bis zum Tosbecken des Wasserfalls zu gehen. Und so bleibe ich im Trockenen.

Nach einer kurzen Pause suche ich mir einen Weg über die verschiedenen Flussarme und komme so trockenen Fußes ans andere Ufer. Dem Fluss folge ich über Wiesen Richtung dem Alisjávri-See, bis ich wieder auf Steinmännchen treffe. Dieser führen mich durch hügeliges Gelände zur Alisjávri Sameviste. Der kalte Wind bläst mir dabei ins Gesicht und ich bin froh, dass ich meine Windbreaker-Handschuhe an habe. Die Strecke zieht sich.

Alisjávri Sameviste und STF-Hütten von AlisjaureAlisjávri Sameviste und STF-Hütten von Alisjaure

Nach rund einer Stunde erreiche ich einen Rentierzaun, der für den Trail eine Lücke hat. Die ersten Häuser der Siedlung tauchen auf. Ich folge weiter den Steinmännchen und lande schließlich mitten zwischen den Häusern. Irgendwo brennt ein Karmin, aber es ist niemand zu sehen. Ich fühle mich ein bisschen wie ein Eindringling, so als würde ich durch die Gärten gehen. Vorbei an schönen Holzhäusern und alten Torfkoten. Eine temporäre Wasserleitung liegt aus, um die Häuser mit Trinkwasser zu versorgen. Lange Holzstangen für die Zeltkote sind senkrecht aufgestellt und warten auf den Winter. An einigen sind Schaufeln und sogar Schlitten oberhalb der baldigen Schneegrenze gehängt. Ich stoße auf einen breiten Fahrweg und folge diesen. Er führt mich nun am Rande der Häuser entlang. Südlich der Sameviste gilt es noch einen kleinen Fluss zu queren. Ich folge nun frisch, in orange bemalten Steinmännchen zu Brücke über den Aliseatnu.

Kiesstrand am AlisjávriKiesstrand am Alisjávri

Nach einem Kilometer erreiche ich die permanente Stahlbrücke. Auf der anderen Seite stehen die STF-Hütten von Alisjaure auf einem Felsen und thronen über die Mündung des Aliseatnu in den Alisjávri. Aus Norwegen kommt schlechtes Wetter. Es stürmt, als ich über die rund 40 Meter lange, schaukelnde Brücke gehe. In Alisjaure gibt es in einer der Hütten ein Café und einen kleinen Laden. Eine gute Gelegenheit den Proviant aufzustocken. Durch meine Erkrankung benötige ich jedoch nichts und nach einem Blick zur Regenfront im Süden entschließe ich mich ohne Pause direkt weiter zu gehen. Ich will noch rund zwei Kilometer bis zum Fluss Čoalmminjira gehen. Abhängig vom Wetter kann ich morgen von dort aus über den Pass nach Unna Allakas wandern.

Zeltplatz am ČoalmminjiraZeltplatz am Čoalmminjira

Noch scheint die Sonne. Ich wandere nun auf dem Kungsleden und komme mit Rückenwind gut voran. Der Regen kommt zum Glück doch nicht so schnell wie erwartet. Ich passiere an einem Fluss die Abzweigung nach Unna Allakas. Wenig später führt der Weg direkt am Seeufer entlang. Ein kurzes Strandstück am Alisjávri bietet Abwechselung. Zwischen den Weiden gibt es einzelne Plätze zum Zelten, aber so direkt neben dem Weg will ich nicht stehen. Es ist einfach zu viel los auf dem Kungsleden. Als ich mich dem Čoalmminjira nähere sehe ich zu meinen Bedauern zwei Wanderer die im Hang stehen und offensichtlich etwas unschlüssig einen Zeltplatz suchen. Ich bin noch am anderen Ufer und suche erstmal auf der südlichen Seite des Čoalmminjira nach einem ebenen, trockenen Platz mit Windschatten. Schließlich geben die anderen beiden die Suche auf und wandern Richtung Alisjaure weiter. Ich werde weiter oben im Hang hinter Weidenbüschen und einem niedrigen Erdwall fündig.

Ich baue das Zelt auf, hole Wasser und dann beginnt schon der Regen. Die große Gaskartusche ist leer und ich bin froh, dass ich in Stockholm gleich eine zweite mit 230g gekauft habe. Ich bin heute gut vorwärts gekommen. Nach Pasta am Vortag gibt es heute Reise mit Gemüse und Shrimps.

Regentag am Čoalmminjira

Regenwolken ziehen über den AlisjávriRegenwolken ziehen über den Alisjávri

Die ganze Nacht hat es gestürmt und geschüttet. Am Morgen hat der Wind nachgelassen, aber immer wenn ich denke es regnet nicht mehr kommt der nächste kräftige Guss. Der Wasserstand des Čoalmminjira ist deutlich höher und viele gestern noch trockenen Bäche wurden zum Leben erweckt. Ich muss mich entscheiden zwischen der Querung des Hochplateaus Snárapláhku nach Unna Allakas oder den Kungsleden. Das Wetter wird besser aber die Berge hinter mir liegen in den Wolken. Ich habe noch genug Zeit und die Hoffnung morgen bei besserer Sicht über den Pass zu kommen. Ich lege also einen Pausentag ein. Im Laufe des Tages werden die Sonnenperioden zwischen den Regenschauern länger.

Nach Regen kommt SonnenscheinNach Regen kommt Sonnenschein

Am Nachmittag schaue den Wanderern auf dem Kungsleden zu, wie sie weiter unten im Tal den Čoalmminjira queren. Wenige sind schnell drüben. Manche laufen noch etwas am Ufer entlang um dann umzudrehen und sich dem Schicksal der nassen Füße zu ergeben. Die meisten brauchen mit der Entscheidung so lange, dass der nächste Regenschauer kommt. Lustig sind auch solche Paare, wo sie möglichst weit vom Ufer entfernt steht, während er sich todesmutig in die Fluten stürzt. Mit viel Zureden kommt sie zaghaft hinterher und wird lautstark von Stein zu Stein dirigiert. Und wehe sie trifft nicht seine Trittstelle. Es sind viele unterwegs und der Tag vergeht schnell.

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