Gletscherwelten im Wallis

Auf der Haute Route von Chamonix nach Zermatt im Sommer

2. Tag: Glacier du Tour · Col du Tour · Plateau du Trient · Cabanna du Trient · Cabane d'Orny

Vom Refuge Albert zur Cabane d'Orny

Gegen vier Uhr beginnnt die kleine Hütte zum Leben zu erwecken. Die schweren Stiefel stapfen über den knarrenden Holzboden und da unser Zimmer direkt unter dem Vorraum zur Eingangstür liegt, ist es vorbei mit dem erholsamen Schlaf. Nach einem überraschend guten französischen Frühstück machen wir uns mit Sitz und Gamaschen gletscherfertig.

Glacier du Tour mit dem Aiguille du ChardonnetGlacier du Tour mit dem Aiguille du Chardonnet

Über Felsen geht es bergan. Nach rund 20 Minuten erreichen wir den Gletscher und nun heisst es Steigeisen anlegen. Im Laden habe ich mir diese zwar einstellen lassen, aber erst beim zweiten Versuch sitzen sie stramm genug. Anschlissen werden wir angeseilt und dann mache ich meine ersten Schritte in einer Seilschaft. Auf den Abstand zum Vordermann achten, damit das Seil weder zu stramm noch zu lose ist, ja nicht drauf treten und gleichzeitig in der Höhe bergan gehen erfordert für ungeübte einiges an Konzentration.

Auf 3790 Meter Höhe erreichen wir den Col Superierur du Tour und die Grenze zur Schweiz. Die letzten Meter müssen wir auf Felsen krachseln und dann sind wir oben. Auf der anderen Seite eröffnet sich eine grosse Ebene - das Plateau Du Trient.

Blick über das Plateau du TrientBlick über das Plateau du Trient

Nach einer kurzen Pause machen wir uns an die Querung. Die Sonne scheint kräftig und es geht leicht bergab. Es sind einige Seilschaften unterwegs und so mancher Frühaufsteher ist bereits nach erfolgreicher Gipfelbezwingung auf dem Rückweg. Andere sind noch voll dabei den Aiguilles Du Tour oder den Aiguilles de la Varappe zu erklimmen. Nach gut einer Stunde haben wir die Ebene gequert und stehen am Felsen unterhalb der Cabane du Trient. Fünfzig Höhenmeter trennen uns noch von der Mittagspause.

Wirklich willkommen fühlen wir uns nicht. Da stehen wir nun und fragen nach etwas zu Essen, dabei wird doch gerade sauber gemacht. Tomatensuppe vom Vortag gibt es - warum nicht. Danach genehmige ich mir noch ein Omlett. Die ersten sind noch reichlich flüssig, bei meinem ist die Pfanne wohl heisser und das Ei geronnen. Und dann machen wir den grössten Fehler und bringen einen Teller nicht zurück. Und meine Getränkedose steht auch noch da. Todsünde. Dafür gibt es auf der Terrasse einen kräftigen Anschiess.

Die Hütte wird für uns der Begriff der Unfreundlichkeit auf dieser Tour. Die beiden mögen einen schlechten Tag erwischt haben und wir sind gerade an diesem Tag reingeschneit. Haben aber trotzdem kräftig Geld gelassen. Da es von da an deutlich freundlicher wird hat die Hütte einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ihren Ruf weg.

Für uns heisst es weiter gehen. Wir nehmen diesmal den Wanderweg neben dem Gletscher und können so freier gehen und auch mal ein Foto machen. Wir treffen den nächsten komischen Wanderer. Von hinten kommt er angeflogen, möchte aber nicht überholen. Dafür fängt er an Steinmänchen aufzubauen und den Weg direkt hinter mir aufzuräumen. Das Steingepolter hinter mir finde ich nicht gerade beruhigend. Und als er quasi die Steine unter meinen Füssen herumschubbst habe ich genug. Er will aber nicht vorbei weil wir so eine tolle Gruppe sind. Zumindest hält er nun etwas Abstand.

Cabane d'OrnyCabane d'Orny

Die Cabane D'Orny liegt idylisch oberhalb eines kleinen Sees. Das Matratzenlager ist trotz grosser Betriebsamkeit nicht ausgebucht. Viele sind Tagesgäste, die am Sonntag hinauf gekommen sind. Wir geniessen mit ihnen die Aussicht und Sonne vor der Hütte. Nach Kaffee und Kuchen leert sich der Platz um die Hütte langsam.

Das Abendessen ist lecker und reichlich, die Stimmung ist gut. Diesmal müssen wir nicht unseren Platz für einen zweite Gruppe räumen, sondern können in der warmen Stube sitzenbleiben. Trotzdem wird es nicht sehr spät, denn Frühstück ist um 6:30 angesagt.

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